Ich bin mobil, geschäftlich beschlagen und zukunftsgläubig wie ein UBS-Fan.

Als alter Gespenster-Experte weiss ich, auch ein Eurospuk ist nur Spuk. Und spuken tut es in meinem Urner Heimet erwiesenermassen seit 1873.

Deshalb habe ich meine Erkenntnis – Wie ich die UEFA lieben lernte – in meinem eigenen Blog-Heimet veröffentlicht.

Gestern hob die umsatzstärkste Sportveranstaltung Europas zum Finale Grande an. Österreich rechnete vor wenigen Jahren mit einigen hundert Millionen Euro Gewinn aus diesem Event. Heute ist man froh, wenn es mit einer flachen Null aufgeht. Den Betreibern des Stade de Suisse in Bern geht es gleich, auch sie rechneten mit einem guten Geschäft und sind heute froh, wenn sie nicht drauflegen. Die Dummen sind die Steuerzahler.

Für Portugal 2004 wurden zehn Stadien zum Teil neu gebaut, investiert wurden allein vom Staat 1.5 Milliarden. Die meisten dieser Stadien stehen heute leer, ein wirtschaftliches Fiasko. Die Uefa machte in Portugal einen Bruttoumsatz von 1.3 Milliarden. Mit der Euro 08 kitzeln sie die 2-Milliardengrenze. Die Hälfte davon soll als Gewinn übrigbleiben. Steuerfrei.

Das ist im Vergleich zu Sootschi 2014, der Winter Olympiade in Russland, noch gar nichts. Dort will der Russe ein komplett neues Sport- und Ferienresort hochziehen. Das verschlafene und schlecht erschlossene Nest wird zur Topdestination Russlands hochgetunt. Dafür braucht es Hotels, Stadien, Wintersportanlagen (Seilbahnen, Skilifte etc.), Strassen, Eisenbahnen (inkl. Tunnels, Stadler Rail ist schon am Ball), Infrastrukturen (Energie, Wasser, etc.), Schulen, Wohnungen, Spitäler – alles neu. Kosten: 30 Milliarden.

Vor der Tür steht ja auch Peking 08, eine Sommer Olympiade. Wieviel dort investiert wurde, ist schwer zu beurteilen. Sicher ist nur, dass in China diverse Nebenkosten anfallen, die in dieser Art hierzulande nur in homöopathischen Dosen aufkommen. Z.B. hat man in Peking gerade kürzlich 10’000 zusätzliche sog. „Internetpolizisten“ angeheuert. Zu den 100’000, die man schon hat. Spielt aber alles keine Rolle, schliesslich will man hier den weltgrössten Markt erobern und anders geht das nun mal nicht.

Klar ist, dass in diesem ganzen Zirkus fast alles austauschbar ist. Die Sponsoren, die Orte, die Profiteure. Nur eines nicht: Die Sportler. Sportbusiness ist auf wenigen hundert Spitzensportlern aufgebaut, um die herum die ganze Show inszeniert wird. Ohne die Sportler läuft gar nichts. Sie sind nicht einfach nur das Salz in der Suppe, sondern das entscheidende Atömchen, das die Maschine erst zum laufen bringt.

Eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Stellt man die 2 Milliarden Uefaumsatz den 368 Fussballspielern gegenüber, muss man schon von einer Bürde reden. Oder von Macht? Eine Macht, die im Showbusiness da und dort sogar wahrgenommen wird. Mandela wäre ohne ein paar Dutzend Popstars nicht oder viel später frei gekommen.

Die Frage lautet also: Ist es angesichts der gigantischen Umsätze, die da gebolzt werden, noch opportun, dass die Sportler zu schlimmen politischen Zuständen und überkandidelten Superbusinessprojekten einfach nichts sagen? Nichts sagen dürfen, sollen, müssen?

In Zeiten, in denen jedes KMU mit Sachen wie Corporate Gouvernance (gemeint ist damit nichts weiter als anständiges Benehmen) herumschlagen muss, ist nicht einzusehen, warum gerade Sportler das nicht müssen resp. dürfen. Nicht jeder Sportler muss ein Tommie Smith (Bild oben) sein. Aber der eine oder andere dürfte schon mal etwas sagen zu den allgemeinen Zuständen. Wie das im Showbiz der eine oder andere Superstar auch tut.

Spitzensportler 2.0 sind wären dann keine reinen Kampfmaschinen mehr, sondern Persönlichkeiten mit Rückgrat und einer eigenen Meinung. – Wie weit wir von einem solchen Idealbild entfernt sind… seufz, man darf gar nicht dran denken.

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> Ein Interview mit der Sprinterlegende Tommie Smith, der an der Siegerehrung an der Sommerolympiade 1968 die Faust erhob und damit der Black Power Bewegung (quasi die Keimzelle von Barack Obamas Erfolg von heute) weltweite Beachtung verschaffte, finden Sie beim Schweizer Journalisten Peter Hossli auf hossli.com

Vladimir Putin lässt grüssen. Eine Fussball-Sketchserie des Westschweizer Fernsehens TSR passt der Uefa überhaupt nicht in den Kram. In der Genfer Fanzone Plainpalais wollte die Uefa die Sendung sogar verbieten lassen. Das Schweizer Fernsehen kuscht.

Die Uefa findet die Satiresendung „Fururofoot“ gar nicht lustig. Die Satiresendung hätte ab nächstem Montag zur besten Sendezeit auf TSR 1 ausgestrahlt werden sollen. Sie sei „geschmacklos“, findet die Uefa. In den Sketchs spielt ein gewisser ‚Georges Blotter‘ den Direktor eines imaginären Europäischen Forschungszentrums für den Fussball der Zukunft (Cerfa).

Vor allem wie der attraktive Fussball der Zukunft aussehen soll, muss Sepp Blatter und Michel Platini sauer aufgestossen sein. An brisanten Themen mangelt es nicht: „Comment soudoyer un arbitre“ – „Wie besticht man einen Schiedsrichter?“.

Beim Westschweizer Fernsehen kuscht man vor den Uefa-Bossen: Zur Hauptsendezeit wird TSR 1 nur noch eine abgespeckte Version ausstrahlen. Das Original gibts erst nach Mitternacht zu sehen. Und erreicht damit genau das Gegenteil: Alle möchten die Sendung sehen. Bereits sind die ersten Staffeln der Sendung auf Youtube aufgetaucht. Enjoy:

Mehr Futurofoot auf Youtube

Fancamps: Noch nicht alle unter Kontrolle. So munkelt man jedenfalls da und dort. Die grossen Fancamps sind polizeitechnisch kein Problem, hört man. Aber all die vielen kleinen, draussen irgendwo im Acker, machen den Security Chefs Sorgen. Niemand weiss genau, wieviele es sind, wer da kommt und was da kommen mag und wie viel von allem.

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Rigoroser Dresscode auch für die Samariter. Wo grosse Events sind, sind sie meistens auch: die Samariter. Sie kümmern sich um Hitzeschläge, verstauchte Knochen und Bierleichen. Freiwillig und unentgeltlich resp. für einen symbolischen Lohn. Sie tun das auch an der Euro 08. Denn sie sind eine gut ausgebildete Truppe mit eingespielten Strukturen. Sie tragen sogar eine Art Uniform. Was die Uefa nicht daran hinderte, auch hier den bekannten rigorosen Dresscode klipp und klar durchzugeben: keine sponsorenfremden Kleidungsstücke. Auf dass keiner der Samariter mit dem falschen Paar Turnschuhe im Stadion einläuft. Hey Platini: Das ist an Kleingeist nicht mehr zu unterbieten.

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Lobbying à la Uefa: handfeste Vorteile. Dem Tages Anzeiger sind brisante Papiere in die Finger gekommen, die einen kleinen Einblick bieten in die Lobbyinggepflogenheiten bei der Vergabe von Mega Events. Die Schweiz und Oesterreich haben das für die Euro 08 gemeinsam getan und u.a. Verbandspräsidenten von minderbemittelten Verbänden besucht. Diesen sind offensichtlich „handfeste Vorteile“ in Aussicht gestellt worden. Interessant war gestern im TA Print v.a. ein Kästchen mit einem Auszug aus dem damligen Lobbyingkonzept, mit dem das Fussballdings seinerzeit an Land geholt worden ist. Zwar hat TA Online heute das delikate Geschichtchen gebracht, leider aber vergessen, das noch delikatere Kästchen zum Artikel zu stellen. Da helfen wir natürlich gerne aus:

«Zur Stärkung der Verhandlungsposition führt andererseits die Möglichkeit, dem Offertnehmer von unserer Seite Vorteile irgendwelcher Natur zu verschaffen. Hier ist der Fantasie grundsätzlich keine Grenze gesetzt, als banales Beispiel kann die Vereinbarung von Freundschaftsspielen oder die Einladung zu Turnieren in die Schweiz genannt werden.» «Die sog. neutralen Mitgliederverbände können entweder mit (fussball-)politischen Argumenten überzeugt oder mit handfesten Vorteilen für sie an Land gezogen werden. Versprechen betr. Stimmverhalten sind bekanntlich nicht einklagbar, gleichzeitig bringt uns die Passivität in diesem Bereich sicher nicht weiter, geschweige denn zum Ziel. Folglich müssen allfällige Bedürfnisse dieser Verbände geprüft werden; gerade im Lichte der Solidarität, die sich bekanntlich auch die Uefa auf die Fahne geschrieben hat, bestehen sicher Möglichkeiten, weniger bemittelte Mitgliederverbände in irgendeiner Art zu unterstützen. Die erwähnten Bedürfnisse können wohl nur im Rahmen eines Besuchs dieser Verbände durch die Führungsperson und/oder eines Absenders eruiert werden. Diese Reisen sind sorgfältig zu planen, um bei den Adressaten die richtige Reaktion hervorzurufen. Die erwähnten Besuche müssen in den Monaten März und April 2002 stattfinden.»

Interessant, auf was man da so alles schauen muss, oder?

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Die Eventisierung von Innenstädten, Citys dem Meistbietenden. Was die Uefa heute mit den Innenstädten anstellt, wollen schon bald andere Veranstalter auch anstellen. Dieser Meinung ist Stadtsoziologe und ETH-Dozent Christian Schmid. Er sagt: „Es wird selbstverständlich, dass Events stattfinden, für die man gewisse Teile der Stadt an die Veranstalter abgibt, die wiederum Rechte an Sponsoren weiterverkaufen. Das Hauptproblem ist, dass man beginnt, Teile der Stadt als solche zu verkaufen, und den Veranstaltern die Möglichkeit gibt, nach privatwirtschaftlichen Interessen zu bestimmen, was dort stattfinden darf und was nicht. Das ist das Bedenkliche an dieser Tendenz.“ Das ganze Interview gibts bei NZZ Online.

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PS: Die Short Spuks erscheinen hier regelmässig unregelmässig. Hinweise aus dem Fussvolk bitte an ballerina.eurospuk@gmail.com. Die Illustration dazu stammt von nille – vielen Dank.

Letzte Tipps für alle Fussballfans, die in den nächsten vier Wochen in der Schweiz unbesorgt Public Viewen wollen. Es gibt da nähmlich ein paar Dinge, von denen sie sich keineswegs beunruhigen lassen sollten. Wenn Sie sich an folgende Anweisungen halten, kann ihnen absolut nichts passieren:

  • Ohropax, das sind diese kleinen gelben Dinger, die Sie unbedingt dabei haben sollten. Am besten stöpseln Sie diese gleich zu Beginn der Spiele in die Ohren. Die Dezibelwerte können während der Fussballspiele überraschend ansteigen.
  • Schalten Sie ihr Handy vor und während der Spiele immer auf Abhörmodus. Damit wir uns richtig verstehen, es ist Krieg Fussballeuropameisterschaft. Private Botschaften können sie ihren Liebsten nach der EM wieder ins Ohr säuseln.
  • (Nicht nur, aber auch für Holländer) Lassen Sie ihren Wohnwagen für einmal zu Hause in der Garage stehen, es hat noch genügend freie Übernachtungsmöglichkeiten. Reservierung nicht nötig.
  • Ganz wichtig: Informieren Sie sich bei Ankunft vor Ort über die spezifischen lokalen Sitten und Gebräuche. Ist Jubeln erlaubt? Welches Bier darf ich trinken? Sind Waffen erlaubt? Denn, wie es sich in einem föderalistisch organisierten Land gehört, gibt es keine einheitliche Einsatzdoktrin.

Alle weiteren Informationen finden Sie in diesem hervorragenden Pocket-Guide (pdf, unbedingt ausdrucken) vom Verein Grundrechte.

In drei Tagen geht der Spuk erst richtig los. Unterdessen haben wir eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die schlechte: Die New York Times, ansonsten eine zuverlässige Quelle für unsere Mitarbeiter am Newsdesk, kann mit dem Wort Eurospuk nach wie vor nichts anfangen.

Die gute Nachricht ist mir soeben entfallen. Also, was wir ihnen eigentlich mitteilen wollten – noch so ein ein lausiger Einstieg in diesen Text – neben der NYT ignoriert auch die Schweizer Presse das Phänomen Eurospuk hartnäckig. Vor allem seit unserem fiesen Rundumschlag über deren mangelhafte EM-Berichterstattung.

Umso mehr freut uns das überwältigende Echo im Rest der internationalen Presse, insbesondere dasjenige der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung„, der „Fuldaer Zeitung“ und der „Schaumburger Nachrichten„.

Aber auch das Feedback des besten französischsprachigen Blogs in Form eines schnieken Werbebuttons. Merci et allez les bleues! (Sind zwar Schweizer, mehr Französisch können wir leider aber auch nicht).

Was wir unseren Lesern noch eigentlicher mitteilen wollten: Unterdessen spukt es nicht mehr nur rund um die grosse Fussballsause, sondern selbst in diesem Blog. Aber das kriegen wir bis zum Eröffnungsspiel in den Griff. Versprochen. Die Ursachen lassen wir derzeit vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene wissenschaftlich untersuchen. Vermutlich liegts an unserem Server in Basel.

Basel macht seinem Ruf als progressivste Stadt der Schweiz auch in Sachen Euro 08 alle Ehre: Nach den mutigen 3 Beizern bietet nun auch eine Kleinbrauerei den Eurobossen die Stirn. Mit einem Protestbier und pikanten Aktionen in der Stadt.

Nur gerade drei Gastronomen haben sich gegen die unsäglichen Uefavorschriften ernsthaft gewehrt. Alle anderen Beizer in den Fanzonen, also ca. 99.99999%, haben sich dem bizarren Bierdiktat der Uefa mehr oder weniger stillschweigend hingegeben. Einzig die Berner Oberländer Gemeinde Unterseen (Interlaken) hat dem dänischen Bier ein originall oberlendisches „No Way“ erteilt. „Wir trinken hier unser eigens Bier (Rugen), da kann kommen wer oder was will“, so der dortige Stapi sinngemäss.

Einen Schritt weiter geht nun die Kleinbrauerei „Unser Bier“ in Basel. Mit dem Slogan „BASEL. MEHR ALS NUR CALRSBREG.®“ geht die aufmüpfige Volksbrauerei (über 4’000 Aktionäre) mit einem eigentlichen Protestbier an den Start. 15’000 Flaschen „offizielles Trittbrettfahrerbier“, 1’000 T-Shirts (siehe oben), div. Aktionen in der Stadt und auf dem Rhein – alles parat. Inkl. Megaposter mitten in der City:

Ein Jammer, dass das nur die Basler kapieren. Ein Jammer, wie lächerlich sich die Uefageldsäcke auch in Wien aufführen. Dort kann der einheimische „G’spritzte“ in den Fanzonen nur mit einer Ausnahmebewilligung angeboten werden. Lustfeindlicher gehts nicht mehr.

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Die Uefa verbietet eine Ticket Verlosung der SP-Fraktion des Basler Grossen Rates. Während die künstliche Vorfreude in den Medien langsam auf die nächste Zündstufe hochgefahren wird, mit homöopathischer Wirkung übrigens, tritt die Uefa noch schnell in ein ganz besonders peinliches Fettnäpfchen. Sie verbietet den SP Politikern, ihre Gratistickets an eingefleischte, aber finanziell schwächer gestellte Fans weiterzugeben. Könnte ja sein, dass  dann plötzlich einfache Leute in den VIP Logen rumhängen und dort den Smalltalk durcheinander bringen. Die Schweiz schüttelt einmal mehr den Kopf ab dieser enormen Massierung von feudalistischem Kleingeist.

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100’000 Liter Urin verpinkelten die Fans 2006 im Berliner Tiergarten. Pro Tag. An der Fauna in dem weltberühmten Park entstand ein Schaden von 200’000 Euro. In Zürich – man rechnet dort mit einem Urinaufkommen von ca. 50’000 Liter/Tag – will man es nicht soweit kommen lassen. Die Sträucher und Bäume werden regelmässig abgeduscht und damit die biergesäuerte Urinbrühe etwas verdünnt. Nichtsdestotrotz geht man davon aus, dass 50% der Männer Wildpinkler sind. Macht in Züri 25’000 Liter, die dann von sog. Schwemmfahrzeugen aus vollgepissten und stinkenden Gassen weggespült werden müssen. Täglich. Wer das alles bezahlt, dürfte klar sein: Die Uefa nicht.

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85 neue Top Hotspots für Ganoven entstehen im Juni in der Schweiz, denn soviele Polizeiposten werden dicht gemacht. Die Polizisten werden an der Euro 08 gebraucht. Im Kanton Freiburg sind es gleich 20 verwaiste Polizeiposten – ganze Landstriche werden dort quasi zu rechtsfreien Zonen. Die Polizeigewerkschaft ist entsetzt. Div. Ganovensyndikate sollen bereits am Rekognoszieren sein. Bürgerwehren sind eine Frage von Tagen. Michel winkt ab: „Wir übernehmen alle Schäden.“

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Alptraum Video gegen Frauenhandel – Stimmungstöter als Feigenblatt. Warum die Frauenorgas das Fussballdings für eine Kampa ambushen, ist  nur einigermassen einleuchtend, wie sie es machen, ist zumindest merkwürdig. Ein ziemlich brutaler Spot, gedreht in London von Topfilmkraft Jeff Thomas, wird am Fernsehen und in den Fanzonen gezeigt, und auf der Website der Kampa. Embedden geht aber nicht. Auch sonst kommt die Website eher einsnullig daher und sieht aus wie solche Kampaseiten halt aussehen: Viele PDFs, eine Petition und ein Unterstützungskomitee. Warum die Kampa ausgerechnet an das Fussballdings gekoppelt wird, bleibt unklar. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Uefa das Ding im Sinne eines Feigenblatts (vor dem ganzen restlichen Marketinggetöse) einfach mal gefallen lässt. Ob das so was wird (mit den hehren Kampazielen), darf bezweifelt werden.

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Die Bierpreise sind in Österreich fast 50% höher. Und das kommt so: Die Hofbrauerei der Uefa ist bekanntlich Carlsberg. Dieser Konzern hat vor ein paar Jahren die Schweizer Nationalbrauerei Feldschlösschen geschluckt und die brauen jetzt das ganze Carlsbergbier für die Euro. Bis dieser Gerstensaft in Österreich angekommen und auf die paar hundert  Zapfstellen verteilt ist, soll das Logistikkosten in exorbitanter Höhe verursachen. Darum kostet in Stadien und Fanzonen ein Plastikbecher mit vier Deziliter Bier in der Schweiz 5 Franken und in Österreich 7.30. Liebe Carlsberg: Abgesehen davon, dass schon der CH-Preis Wucher ist, ist der Ösipreis eine Frechheit – völlig abgehoben. Wie kann man nur so unsensibel mit seinen Kunden umgehen?

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PS: Die Short Spuks erscheinen hier regelmässig unregelmässig. Hinweise aus dem Fussvolk bitte an ballerina.eurospuk@gmail.com. Die Illustration dazu stammt von nille – vielen Dank.

Das totale Chaos richtet die UEFA in Sachen Public Viewings an: Zwei Wochen vor Anpfiff ist (nach einem Gerichtsentscheid) in Sachen Tarife weniger als nichts klar. Das zweitgrösste Puff bahnt sich in den Fanzonen von kleinen Provintzstädten an: geregelt scheint vielenorts viel weniger als das nötigste, angerichtet wird aber mit der Jahrhundertkelle.

Schon die grossen Städte haben mit ihren Fanzonen und Public Viewings ihre liebe Mühe. In Basel mussten sie wegen anschleichendem PR-Gau die Biermauer um drei Restaurants von 2.20 m auf einszwanzig runterfahren, kicher. In Zürich läuft ein lokaler Gewerbeverein Sturm gegen das rigorose Verkehrsregime in seinem Quartier. In Bern geht man gar davon aus, dass die Euro 08 für den Stadionbetreiber ein Verlustgeschäft wird. Soweit so mürbe.

Noch viel skurriler gehts aber auf dem Land zu. Hier rollt die Eurowalze quasi alles platt. Hier fahren kleine PR-Buden und ambitionierte Lokalpolitiker richtig grosse Kisten hoch. So z.B. in Buchs, einer Kleinstadt im St. Galler Rheintal. Das dortige Marketing eröffnet das Online Getöse schon mal mit einem top Slogan Plagiat: Wir sind Buchs.

Gestatten – wir sind Eurospuk, die Expertenrunde mit dem kühlen Blick. Unsere Sonderkorrespondentin Frau Seitenlinie hockt in Buchs – als Kleingewerblerin – mitten in der Zone und ist verzweifelt. Sie telegrafierte uns folgende Depesche:

„Buchs ist bereit und freut sich auf ein Fest mit Ausstrahlung“

Dumm nur, dass das nicht alle Buchser wissen. Die direkten Anwohner zum Beispiel. Ihre Wohnzone wird für den Verkehr gesperrt – aber das hat ihnen irgendwie einfach noch niemand gesagt. Auch nicht, dass sie einen speziellen Pass brauchen, wenn sie mit ihrem Wagen bis vor ihre Haustür fahren oder von ihrer Haustür weg in die nähere oder weitere Welt gondeln möchten. Dasselbe gilt für Besucher, die mutig genug sind, während der Euro jemandem in dieser Zone ihre Aufwartung zu machen. Wie das mit den Geschäftskunden geht, weiss niemand so genau, weil einige der betroffenen Geschäftsinhaber noch nichts von einem solchen Pass wissen. Aber es bleibt ja auch noch jede Menge Zeit, darüber zu informieren, nicht wahr.

Seien wir also keine Spielverderber und wenden uns den positiven Aspekten der EURO 08 im Allgemeinen und jener des Public Viewing im Speziellen zu: Die Bahnhofstrasse ist beflaggt.

„Buchs blüht – so auch in der Bahnhofstrasse. Zum sanften Grün der Bäume gesellen sich als Auftakt des nationalen Fussball-Sommers die 16 Fahnen der UEFA EURO 2008 Teilnehmernationen…“

Und es gab eine nette Pressekonferenz:

„Genau einen Monat und zwei Stunden vor dem EM-Anpfiff luden wir zur Pressekonferenz. Kurz und bündig: Buchs ist bereit und freut sich auf ein Fest mit Ausstrahlung!“ Am Schluss gab’s ein süsses „Hopp“ mit auf den Weg: Sofort-Energie für den Vorbereitungs-End-spurt… und natürlich „Hopp Schwiiz“… wir wollen (über Buchs) nach Wien ;-)“

Den Energieriegel heben wir uns besser noch auf. Da keine offiziellen Parkplätze vorgesehen sind, und die öffentlichen Parkplätze auch ohne EURO 08 immer belegt sind, brauchen wir diese Energie unter Umständen, um die paar Kilometer vom wild geparkten Wagen zur UBS Arena hinter uns zu legen.

Nur noch wenige Tage. Wir freuen uns uneingeschränkt.

(Zitate von der Buchs Marketing Webseite)

Updates von Frau Seitnelinie aus dem schönen Buchs folgen hier permanently. Den ersten Teil finden sie hier.

Weitere Liveberichte von Public Wahnsinns Viewings sind jederzeit willkommen. Hier können Sie sich ausweinen. Wenden Sie sich an die Expertenrunde via ballerina@gmail.com

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