Ich habe das Kuhfladen-Orakel (eine alte Schächtentaler Weisheit, die nur noch ich praktiziere), befragt: Was wird geschehen in den VIP-Logen? Und: Kann sich die Schweiz qualifizieren für den Viertelfinal?

Die Antworten:

1: Das 4:4 von Frankreich gegen Italien wird überschattet von einem schweren Zwischenfall: Ein Polizei-Hund frisst ein Kaviar-Brötchen, das aus der VIP-Loge geflogen kam. Der Hund erleidet unheilbare Magen- und Darmschäden. Die Werferin: ein 15jährige, entfernte Verwandte von Silvio Berlusconi. Sie wird dazu verurteilt, ein normales Meisterschaftsspiel Milan-Roma in ganzer Länge anzuschauen und dann einen Lied-Text darüber zu schreiben

2: Ottmar Hitzfeld reisst sich die Haare büschelweise aus, als Streller die 4. Hunderprozentige vergibt. Minuten später tritt Hitzfeld in den Ruhestand, als VIPs ihm die Haarbüschel zum Signieren hinstrecken.

3: Der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber hat einen seiner berüchtigten Wutanfälle. Er nennt den rumänischen Präsidenten einen „VIP-Terrorist“, weil der Rumäne mit 5 VIP-Pässen jonglieren kann. Da hilft keine Entschuldigung mehr: Zürich muss die nächsten Jahre auf rumänische Einwanderer verzichten.

4: Eine Drohne filmt im Genfer VIP-Bereich den Sex zwischen der designierten Miss Schweiz 2010 und dem Chauffeur eines berühmten Bank-CEO. Die schuldige Drohne wird von einem Abfang-Jäger der Bank abgeschossen, das brennende Wrack fällt direkt in die Genfer Kehricht-Verbrennungsanlage. Der BLICK bemerkt vom Vorfall überhaupt nichts.

5: Die Schweiz führt im entscheidenden Vorrunden-Spiel gegen Portugal nach 82 Minuten mit 2:1, obwohl sie nur noch 7 Spieler hat. Wie’s ausgeht? Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, die Kuhfladen-Strukturen sind hier unscharf (s. Foto unten), aber …

… es scheint – aber das ist mit Vorsicht zu geniessen, – es scheint (aber bitte behafte mich nicht darauf!), dass–nein. Ich schweige.

PS: Der Fladen stammt von einer Kuh meines Nachbarn („Felicitas“), weil das Thema „Euro“ meine Missen wahnsinnig macht.

Michel Platini und seine Copains haben die Euro08 total verpennt. Zumindest im Netz. Wer www.Euro08.com in seinen Browser tippt, angelt sich nicht zufällig die letzten EM-Tickets, sondern höchstens einen Job bei Al Jazeera. Das Malheur entdeckt haben die investigativen Gratisblattreporter von „20 Minuten“. Übrigens, alle Domains ab Euro52 sind noch zu haben, mit Ausnahme von Euro80.

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Der Riesenfussball auf dem Jet d’eau in Genf ist nicht mehr. Weil nicht ganz Wasserdicht wurde der Marketingzauber von Genf in Revision geschickt. Zugesetzt hat dem Ball allerdings weniger das Wasser von unten, sondern der Regen von oben. Gekostet hat die Aktion gerade mal eine Kleinigkeit von 360 000 Franken (exklusive Reparaturkosten). Wenn sie nichts besseres zu tun haben, dürfen sie uns gerne melden, wenn die Blase von Genf wieder auf der Live-Cam auftaucht.

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Sie wollen noch ein Public Viewing aus dem Boden stampfen? Dann wird es aber langsam Zeit, über die grösse des Bildschirms nachzudenken. Wie wir in Short Spuks II berichteten, ist die Sache nämlich extrem kompliziert. Vielleicht warten sie aber doch besser bis kurz vor dem Anpfiff? Wie gesagt, wir haben den Überblick längst verloren. Ach was, stellen sie einfach eine Leinwand in den Garten. Irgendwer von der UEFA wird seinen Anteil schon rechtzeitig abzügeln.

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Was wäre ein Trainingslager der Schweizer Kicker ohne ein Besuch der besten Profi-Fussballerin im Mannschaftshotel? Moment, das geht uns doch gar nichts an. Und überhaupt, eine ausführliche Medienkritik hatten wir hier doch bereits vorgestern. Überlassen wir die Antwort auf diese äusserst brisante Frage von SF DRS für einmal anderen Profis.

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Und zum Abschluss noch die Headline des Tages: „GV richtet sich nach Euro08-Spielplan„. Das überrascht sie jetzt vielleicht weniger. Wir hingegen finden das grossartig. Wollen ja nicht, dass wegen diesem Fussballdings noch die Demokratie flöten geht.

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PS: Die Short Spuks erscheinen hier regelmässig unregelmässig. Hinweise aus dem Fussvolk bitte an ballerina.eurospuk@gmail.com. Die Illustration dazu stammt von nille – vielen Dank.

Das ist noch eine kurlige Geschichte! Ich habe mir gestern am Fernseher das Euro-Magazin angeschaut. Und irgendwie waren meine Gefühle für die UEFA und das Team so lau. Ich habe dann – ES TUT MIR LEID! – kein Sponsorbier getrunken. Sondern ein kühles Luzerner Bier.

Als dann herauskam, dass wir ohne Coltorti und ohne N’Kufo auskommen müssen, wurde ich deprimiert. Plötzlich schwante mir, was ich fühlen werde, wenn wir ausscheiden („Switzerland Zero Points“ und so).

Ich trank ein weiteres, tristes Luzerner Bier. Das machte mich im Kopf – ganz komisch – plötzlich frei.

Mir wurde klitzeklar: Wenn wir mal draussen sind, können wir SUBVERSIV sein. Wir können die UEFA und ihr Sponsor-Bier ungeniert unterwandern!!

Ich testete erstmals das Unterwandern. Ich trank weitere Nicht-Sponsor-Biere aus Luzern, so zwei bis sieben.

Und siehe da, ich lerne ganz neue, unbekannte Gefühle: Ein ekstatisches Hämmern im Schädel.

Was machen eigentlich die grossen Schweizer Medienportale in Sachen Euro? Wenig bis gar nix, viel PR und weitgehend infantile Wettbewerbli – zeigt ein kleiner Rundgang.

Wenn die NZZ titeltUefa im Kontrollrausch„, dann ist das doch bemerkenswert. Immerhin ist die Uefa nicht niemand und die NZZ ein Weltblatt. Die Schlagzeile „UBS im Bonusrausch“ wäre aber nicht denkbar. Das sähe Herr Kurer und seine Zünftler gar nicht gern. Dem Sepp kanns aber wurscht sein, weil die Abwicklung der Party eh nur noch Routine ist. Und schliesslich gibt sich und hat auch die alte Tante ein wenig Mühe, die Euro einigermassen intelligent in Szene zu setzen. In einem reichlich infantilen Psychotest können Fussballdummies rausfinden, welche Mannschaft gefühlt am besten zum eigenen Karma passt. Supi, hey. Und in einer Art Börsenspiel kann man mit virtuellen Aktien von Fussballmannschaften dealen und dabei einen Swiss Flug oder einen iPod (was für ein ausgefallener Preis) gewinnen. Der Hammerslogan dazu: „Handeln Sie mit Ihren Erwartungen und gewinnen Sie attraktive Preise“. Liebe NZZ, das ist saurer Wein in rostigen Schläuchen.

Der nächste Zürcher Platzhirsch, TA Online, hat sein Euro Special immer noch sehr professionell versteckt. Nicht auf der Hauptseite, nicht in der Navi, man muss es suchen – hinten im Sportteil inmitten vom ganzen restlichen Sportwust. Obwohl es in diesem Special eigentlich brandheisse Hintergrundstorys gäbe, z.B. zu den Einsätzen von „deutschen Polizisten im Schweizer Nahkampf“. Erstaunlich auch, dass in diesem Euro Spezial die Topstory ganz oben vom 8. Mai stammt und damit schon ganze 12 Tage alt ist.

Man verlässt sich wohl im Hause TA eurotechnisch ganz auf das Newsnetzwerk Facts 2.0, wo man das Fussballdings mit allerlei Geschichten begleitet und sich mit dem Spreeblickblogger Malte Welding einen deutschen A-Blogger als Kolumnist geangelt hat. Komisch nur, dass auch diese gut gemachten Aktivitäten drüben bei TA Online konsequent verschwiegen werden. Auffallend auch: Reaktionen (Kommentare) auf die hübsch markierten Eurostorys bleiben bei FACTS 2.0 weitgehend aus.

Sehr traurig siehts bei Espace.ch aus, dem Gemischtwarenladen Onlineportal von Berner Zeitung, Bund, Thuner Tagblatt, Berner Oberländer, Berner Bär, Solothurner Tagblatt, Solothurner Woche, Capital FM, Canal 3 und Telebärn – alles zusammen monopolisiert erscheint bei Espace Media, einer Tochter von TA Media übrigens. Die haben auf ihrer gigantischen Web 0.9-Seite natürlich auch ein Euro Special, das erstens blinkt wie wild und zweitens noch nicht fertig programmiert zu sein scheint. Die Topstory hier hat extrem viel Lokalkolorit: „Ittigen kickt sich Euro-fit“ lautet die Schlagzeile zu einer hochbrisanten Hintergrundgeschichte über die örtliche 1.-August-Kommission, die sich in orangen T-Shirts an einem Töggelikastenturnier „zum Sieg spielte“. Beides, mit Verlaub, sind sehr gelungene Formulierungen für echte Dumpfbacken von nah und fern.

Viel Mühe gibt man sich dagegen bei 20min, ebenfalls ein TA-Media-Produkt. Das Eurodings ist auf der Hauptseite prominent verlinkt und dort finden wir ein vielgestaltiges und gut gepflegtes Angebot. Natürlich mit so klassischen Nullaussagen in den Schlagzeilen wie „Es kann wunderbar werden oder früh vorbei sein“. Herrlich. Sogar eine Rubrik „Neben dem Platz“ gibts hier. Topstory heute: EVP will mehr Geld von der Euro. Top Idee, oder? Neben dem übersichtlichen und umfassenden Angebot besticht hier die angenehme Zurückhaltung mit all zu viel dümmlichen Quizfragen.

Bei Blick Online, dem Boulevardsaurier aus dem Hause Ringier, lässt man sich hingegen nicht lumpen. Ist der ganze Multimediaflashvideoblinkiblinkizirkus erst mal geladen, hechel, gehts hier voll Rohr los. Die Euroseite ist mit Wettbewerben und PR-Storys dermassen zugepflastert überladen, dass der ganzen Sache die jounalistische Glaubwürdigkeit etwas abhanden kommt. Die UBS Arena hat man hier sogar mit einem eigenen Navipunkt bedacht, News gibts dort selbstredend nicht, dafür aber noch mehr Wettbewerbe. Beim Blick folgt man am konsequentesten dem eigentlichen Uefabusinessmodell und rollt eine grösstmögliche Businesslawine auf allen Kanälen aus. Wir würden hier von Züri Höngg aus mal kühn behaupten, dass sie beim Blick mit den vielen infantilen Gewinnspielchen leicht übers Ziel hinaus schiessen und normal intelligente Leute extrem nerven.

heute online (Ringier) hat noch gar nicht gross Lust gehabt, das Fussballdings zu fiitschern. Genau genommen könnte man sagen, dass heute bis heute die Euro 08 quasi totschweigt. Das Fachportal für unterbelichtete unterbeschäftigte Ausgehkids (oversexed and underfucked) beschränkt sich zumindest heute auf den Marschbefehl von Verteidigungsminister Sämi Schmid, einer Veranstaltung, an der die Schweizer Kicker ihr schlecht sitzenden Designeranzüge erstmals ausführen durften. Nicht gerade der Brüller, diese Meldung. Trotzdem steht sie auch auf der Sportseite zuoberst und ist dort die einzige Euromeldung bis weit unten in der Seite, wo eine vier Tage alte Meldung zur Einschränkung des Flugverkehrs über den Stadien vor sich hindöst. – Gut, die machen ja ihren Laden bald dicht (und werden zum Blick am Abend) und haben vermutlich deswegen das Fussballdings gar nicht erst angeschoben. Würden wir hier auch so machen.

Fazit: Die mediale Aufbereitung der Euro ist mangels allgemeiner Begeisterung bisher weitgehend gescheitert. Nirgends will richtig gute Laune aufkommen, es dominieren Pflichtstoff und Marketinggetöse, wie selbst Spiegel Online konsterniert feststellt. Die Uefa bastelt an div. Imagebaustellen (Tarife bei Public Viewings, Dresscodes, Masern, etcpp.) und das ganze riesige Supermegagigaevent will einfach nicht so recht ins Umfeld der Supermegaerdbeben und dem Supermegacampinggroove im Irrawaddydelta und den Supermeganahrungsmittelkrisen und dem supermegarassistischen Aufstand in Joburg (WM 2010) passen. Finden wir hier in Züri Höngg.

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Die ganzen Drohnen und alles könnte man ja nicht rechtfertigen, gäbe es da nicht Ambusher wie die Al Kaida, einem fiesen Krawallstartup. Rechtzeitig einen Monat vor dem Ansturm Anpfiff haben sie mal einen ersten Programmüberblick abgeliefert: Sie wollen die beiden sichersten Länder Europas in eine Hölle verwandeln. Tut das nicht, ihr Saftsäcke. Unsere Drohnen fliegen auch ohne eure Bomben.

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Die häusliche Gewalt werde während der Euro 08 zunehmen, melden die Frauenhäuser. Studien sprechen von 30%, Gründe seien erhöhter Stress und Trunkenheit. Egal wie hoch die Zahlen wirklich sind, sie sind ein makabres Mosaiksteinchen im ServicePublicPreis, den die Allgemeinheit für diese Businesswalze zu bezahlen hat.

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Wie und wo Anwohner von Fan- und Sexzonen dann wieder nach Hause kommen, interessiert vier Wochen vor der Party noch kaum jemanden. Ausser vielleicht Herrn Zee vom Architecture Blog. Viel hat er bei seinen Recherchen zwar nicht herausgefunden, aber immerhin werde im Fanzonenhandbuch die erstaunliche Tatsache vermeldet, dass es eine Auflage für den Bierpreis gibt, 4 dl sind für Fr. 5.-/Euro 3.50 zu verdealen. Auflage? Freie Marktwirtschaft? Weiss der Preisüberwacher Bescheid?

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Auch Politiker dümpeln befassen sich in diesen Tagen fast nur noch mit allerhand superwichtigen Euro 08 Themen. In Bern hat das Stadtparlament beispielsweise via Postulat mit 61:0 Stimmen (gegen den Stadtpräsidenten) durchgesetzt, dass die Hydranten zum Gratisverzehr von Trinkwasser geöffnet werden sollen. Wofür sonst haben wir Parlamente, wenn nicht für so wichtige Sachen?

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PS: Die Short Spuks erscheinen hier regelmässig unregelmässig. Hinweise aus dem Fussvolk bitte an ballerina.eurospuk@gmail.com. Die Illustration dazu stammt von nille – vielen Dank.

Tja, liebe espace.ch, was soll man da noch sagen? Einfach das gleiche Bildli nehmen wie wir geht ja noch. Wir habens ja schliesslich auch nur genommen, hüstel. Wobei wir nicht ganz sicher sind, ob die Creative Commons Lizenz auch für steinreiche Medienhäuser gilt.

Wie auch immer: Dass das famose Kult-Bildli mit ausgerechnet dieser unmissverständlichen Geste als Dekoration für ein Espace-Quiz herhalten muss, ist doch eher unpassend, oder?

Als ob ihr dem Leser sagen wolltet: „Steckt euch euer Quiz selber in den Dings…“. Oder: „Ätsch, du Dumpfbacke weisst eh nichts“. Aber vermutlich handelt es sich doch um eine verkappte Abwesenheitsmeldung des verantwortlichen Programmierers, der endlich Feierabend machen und uns sagen wollte: „Fuck you, readers, i go Apéro“. Diesen Eindruck macht jedenfalls die Startseite des Quiz:

Tja, liebe Espace, so wird das nichts mit dem crossmedialen Eurosupporting.

Tss…

Aus der Luft droht keine Gefahr. Die unbemannten Überwachungsflugzeuge der Schweizer Armee, die während der Euro08 zum Einsatz kommen, sind nicht mit Waffen bestückt. Nach der EM könnte sich dies ändern.

Die Schweizer Armee hat in Punkto Sicherheit alles im Griff. Zumindest darf sie endlich einmal das Drohnengeschwader in einem „Ernstfall“ testen. Nach der EM sollte uns das leise surren über den Stadien etwas mehr beunruhigen. Das behaupten nicht wir, sondern ein Grüppchen unentwegter Idealisten, die sich für Lappalien wie Grundrechte einsetzen.

Die gleichen Grundrechts-Fanatiker übrigens, welche vor einem Monat anlässlich einer öffentlichen Veranstaltung darüber informierten, was derzeit sonst noch alles im Windschatten der Euro08 an neuen Sicherheits- vorkehrungen aufgegleist wird. Für die Zeit nach der EM. Sicher ist sicher. Das Medienecho war gewaltig. Immerhin ein Artikel erschien dazu in einer überregionalen Tageszeitung.

Wir von Eurospuk hingegen zweifeln keinen Moment daran, dass die innere Sicherheit nach der EM wieder eine reine Aufgabe von zivilen Behörden sein wird. Oder muss man sagen: Wir befürchten es?

Jetzt mal keine Panik. Wenn selbst der deutsche Innenminister Schäuble sagt:

Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung, was derzeit unter Verschärfung des Staatsschutzgesetzes in der Schweiz geplant wird, haben diese faulen Käsebracken
ohnehin nur von mir abgeschrieben!

Das beruhigt jetzt den einen oder anderen vielleicht weniger. Sicher aber ist, früher oder später werden die islamistischen Hooligans wieder abziehen, und wir unsere Ruhe Fiche haben.

Im Stadion – und auch „beim Besuch der Zürcher Euro-Fanzone! – ist sponsor-gerechte Kleidung erwünscht. Sollten Dutzende Leute das Logo eines Nicht-Sponsors tragen, würde man einschreiten, sagte Zürichs Euro-Delegierter Daniel Rupf im Tages Anzeiger.

Aber das ist schon nicht natürlich. Also es ist so: ich und meine Freunde, wir sind 37 Fans. Ausgezeichnete Schweizer. Und wir wollen richtig patriotisch sein. Keine Dreiviertel-Schweizer und keine Secondos in Rot-Weiss.

Aber die Tenü-Kontrolle verunsichert uns schon: Wir wollen nämlich alle 37 im SVP-Shirt zum Match!

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Bemerkung der Chefredaktion: Willkommen ZgraggenSchagg bei Eurospuk 08. Ab jetzt gibts hier von ihm regelmässig unregelmässige Einschätzungen zum Fussballdings.

Sie erinnern sich: Drei Basler Wirte am Rheinufer mitten in der Fanzone weigerten sich heldenhaft, das offizielle Eurobier auszuschenken. Daraufhin beschloss die Uefa, die drei Beizen während dem Turnier mit einem 2.2 m hohen Zaun einzupacken, was den Gastrobetrieben nicht nur die Sicht auf die Grossleinwand, sondern auch die auf den Rhein versperrt hätte. Eine Bierinsel quasi. Ein ungeheuerlicher Vorgang, der an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten und in der europäischen Gastronomieszene bisher einmalig ist.

Die Drohung der Uefa hat sich nun in heisse Luft aufgelöst. Ganz offensichtlich hatten die Uefaleute die Rechnung ohne die drei Wirte gemacht, die das Ding tatsächlich durchziehen wollten und hinter dem Zaun bereits eine alternative Party vorbereitet hatten. Das war den Fussballbossen dann doch nicht ganz geheuer. Nicht wegen der Empörung der Leute, sondern wegen der Bilder, die da zweifellos um die Welt gegangen wären (und schon jetzt gegangen sind).

Man stelle sich vor, CNN und Al Jazeera würden von dieser kruden Euro-Mauer in Basel berichten. Davon, wie sich dahinter eine fröhliche und uefafreie Fanzone an allerlei Biersorten gütlich tut. Wie die Fans es geniessen, ohne läppischen Dresscode und ohne aufdringlich scheinheiliges Sponsorengeschwurbel dem Turnier zu frönen. Es wäre ein PR-Gau gewesen.

Darum haben die Uefamanager jetzt ein wenig Heu heruntergegeben und grossspurig verkündet, dass der Zaun nun nicht mehr 2.2 m hoch wird, sondern nur noch 1.2 – 1.4 m. Ob das den Lächerlichkeitskoeffizienten in gleichem Massstab eindampft, bleibt abzuwarten. Zaun bleibt Zaun. Lächerlich bleibt lächerlich – und damit weiterhin weltweit ein gefundenes Fressen für den Boulevard.

Fakt ist zudem, dass alle anderen Wirte in der Fanzone Basel die exorbitanten Geldforderungen zu begleichen, das Bierdiktat zu befolgen und den Sponsorendresscode zu schlucken haben. Nur die drei Beizer in Basel können zapfen was sie wollen.

Eigentlich schafft der unbeholfene Fallrückzieher der Uefa im Fall Basel eine ganz neue Ausgangslage – ein Präjudiz sozusagen. Boah: Wenn die das können, sollte man meinen, sollten das andere auch können. Eigentlich müsste das hunderte von Nachahmern finden. Beizer, die sich pragmatisch sagen: Wenn die dürfen, darf ich auch.

Denkste. Die Eurowalze hat die Schweizer Gastronomie dermassen paralysiert, dass es bisher keinem einzigen Kneipier in den Sinn gekommen ist, den Basler Freipass zu übernehmen. Vermutlich haben viele Wirte schon Verträge unterzeichnet und befinden sich wegen juristischer Falltüren in Schockstarre. Andere denken sich wohl, falls sie überhaupt denken, dass sie eh keine Chance haben gegen den millardenschweren Uefakonzern.

Mittlerweile pfeiffen es sogar die Spatzen von den Dächern, dass die Uefa mit ihren Drohungen eigentlich nur die Kleinen meint. Gegen die Ambushkampa der Migros drohte man anfangs noch juristisch vorgehen zu wollen, tat es dann aber doch nicht. Denner machts, die CS machts, viele andere grosse Player kochen ihre Ambushsüppchen. Die Uefa tut nichts gegen sie. Ein Prozess gegen solche Unternehmen würde zu lange dauern, zu viel kosten und das Image der Uefa noch weiter in den Keller spülen.

Einfache Kneipiers, kleine Public Viewing Orgas und die Zuschauer in Stadien und Fanzonen werden aber weiterhin mit juristischem Sperrfeuer zugemüllt und mit läppischen Vorschriften genervt.

Ob das alles mit dem Fairnessmotto zu vereinbaren ist, mit dem die Uefa penetranterweise dauernd rumwedelt, muss bezweifelt werden. Der gesunde Menschenverstand und der viel zitierte gute Geist des Sports ist dabei schon lange auf der Strecke geblieben. Immer mehr Leute wenden sich entsetzt ab und fahren ihre Private Viewings hoch – mit Local Beer und Free Dresscode.

Gut so.

Wie sehr die Eurowalze alles und jeden einlullt, sieht man u.a. daran, wie Städte mit ihrer Stadt umgehen. Ganze Innenstädte werden zu Fanzonen umfunktioniert, die Anwohner können selber schauen, wie sie damit umgehen. Erstaunlich auch, dass viele dieser Konzepte erst in den letzten Monaten, in der Provintz vielenorts auch erst in den letzten Wochen präsentiert wurden. So gilt man als Einsprecher natürlich gleich als Miesmacher.

Dem Zürcher Gewerbeverein Seefeld war das egal, er machte Einsprache gegen die Sperrung von Strassen für den privaten Verkehr – und bekam gestern Recht. Interessant die Begründung des Statthalters, NZZOnline zitiert ihn so:

Vielmehr scheine es, die Verantwortlichen wollten die Euro 08 dazu nutzen, ein riesiges Strassen- oder Volksfest zu veranstalten. Hiefür bestehe aber kein gewichtiges öffentliches Interesse, insbesondere, wenn dafür wichtige Verbindungsstrassen zwischen einzelnen Quartieren blockiert werden müssten. Das öffentliche Interesse daran, die Hauptverkehrsachsen ungehindert befahren zu können, überwiege klar.

Man spricht in Zürich von einem Scherbenhaufen. In der Tat: einen Monat vor der Party ist da guter Rat teuer. Die NZZ weiter:

Weniger als einen Monat vor dem ersten EM-Spiel ist eine Konzeptänderung für die Festivitäten kaum mehr möglich. Die Bewilligungen für die Marktstände und die Barbetriebe sind erteilt, die Grossleinwände für das Public Viewing auf dem Sechseläutenplatz und am Seebecken sind bestellt, Tickets sind verkauft und Verträge mit Sponsoren abgeschlossen.

Sehr erstaunlich befremdend unprofessionell ist der Umstand, dass der Zürcher Stadtrat dieses rigorose Verkehrskonzept (Sperrung der Utoquaibrücke und einen Teil des Utoquais an 20 Tagen von jeweils nachmittags bis am anderen Morgen) erst im Dezember 2007 präsentiert hatte. Er war sich seiner Sache so sicher, dass er nicht mal eine Alternative in der Hinterhand hat. Das war zu hoch gepokert und endete gestern vorläufig in einem Megafettnäpfchen. Jedes Pfadilager ist besser aufgestellt.

Der Zürcher Stadtrat ist ab diesem Entscheid völlig aus dem Häuschen. Er wirft nicht nur dem Statthalter Inkompetenz vor, er ergreift auch alle juristischen Kanonen Mittel dagegen. Die NZZ meint, es werde sehr hektisch in Zürich die nächsten Tage. Man denke auch an die anderen Imagebaustellen der Euro 08.

Wir sagen mal folgenden Fortgang der Geschichte voraus:

Die Einsprachen des Stadtrats werden von allen Instanzen abgeschmettert.

Der Stadtrat cancelt die Fanzone Zürich und geht nach Leukerbad zur Kur.

Gut so.

Quelle > NZZ Online