Sie erinnern sich: Drei Basler Wirte am Rheinufer mitten in der Fanzone weigerten sich heldenhaft, das offizielle Eurobier auszuschenken. Daraufhin beschloss die Uefa, die drei Beizen während dem Turnier mit einem 2.2 m hohen Zaun einzupacken, was den Gastrobetrieben nicht nur die Sicht auf die Grossleinwand, sondern auch die auf den Rhein versperrt hätte. Eine Bierinsel quasi. Ein ungeheuerlicher Vorgang, der an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten und in der europäischen Gastronomieszene bisher einmalig ist.

Die Drohung der Uefa hat sich nun in heisse Luft aufgelöst. Ganz offensichtlich hatten die Uefaleute die Rechnung ohne die drei Wirte gemacht, die das Ding tatsächlich durchziehen wollten und hinter dem Zaun bereits eine alternative Party vorbereitet hatten. Das war den Fussballbossen dann doch nicht ganz geheuer. Nicht wegen der Empörung der Leute, sondern wegen der Bilder, die da zweifellos um die Welt gegangen wären (und schon jetzt gegangen sind).

Man stelle sich vor, CNN und Al Jazeera würden von dieser kruden Euro-Mauer in Basel berichten. Davon, wie sich dahinter eine fröhliche und uefafreie Fanzone an allerlei Biersorten gütlich tut. Wie die Fans es geniessen, ohne läppischen Dresscode und ohne aufdringlich scheinheiliges Sponsorengeschwurbel dem Turnier zu frönen. Es wäre ein PR-Gau gewesen.

Darum haben die Uefamanager jetzt ein wenig Heu heruntergegeben und grossspurig verkündet, dass der Zaun nun nicht mehr 2.2 m hoch wird, sondern nur noch 1.2 – 1.4 m. Ob das den Lächerlichkeitskoeffizienten in gleichem Massstab eindampft, bleibt abzuwarten. Zaun bleibt Zaun. Lächerlich bleibt lächerlich – und damit weiterhin weltweit ein gefundenes Fressen für den Boulevard.

Fakt ist zudem, dass alle anderen Wirte in der Fanzone Basel die exorbitanten Geldforderungen zu begleichen, das Bierdiktat zu befolgen und den Sponsorendresscode zu schlucken haben. Nur die drei Beizer in Basel können zapfen was sie wollen.

Eigentlich schafft der unbeholfene Fallrückzieher der Uefa im Fall Basel eine ganz neue Ausgangslage – ein Präjudiz sozusagen. Boah: Wenn die das können, sollte man meinen, sollten das andere auch können. Eigentlich müsste das hunderte von Nachahmern finden. Beizer, die sich pragmatisch sagen: Wenn die dürfen, darf ich auch.

Denkste. Die Eurowalze hat die Schweizer Gastronomie dermassen paralysiert, dass es bisher keinem einzigen Kneipier in den Sinn gekommen ist, den Basler Freipass zu übernehmen. Vermutlich haben viele Wirte schon Verträge unterzeichnet und befinden sich wegen juristischer Falltüren in Schockstarre. Andere denken sich wohl, falls sie überhaupt denken, dass sie eh keine Chance haben gegen den millardenschweren Uefakonzern.

Mittlerweile pfeiffen es sogar die Spatzen von den Dächern, dass die Uefa mit ihren Drohungen eigentlich nur die Kleinen meint. Gegen die Ambushkampa der Migros drohte man anfangs noch juristisch vorgehen zu wollen, tat es dann aber doch nicht. Denner machts, die CS machts, viele andere grosse Player kochen ihre Ambushsüppchen. Die Uefa tut nichts gegen sie. Ein Prozess gegen solche Unternehmen würde zu lange dauern, zu viel kosten und das Image der Uefa noch weiter in den Keller spülen.

Einfache Kneipiers, kleine Public Viewing Orgas und die Zuschauer in Stadien und Fanzonen werden aber weiterhin mit juristischem Sperrfeuer zugemüllt und mit läppischen Vorschriften genervt.

Ob das alles mit dem Fairnessmotto zu vereinbaren ist, mit dem die Uefa penetranterweise dauernd rumwedelt, muss bezweifelt werden. Der gesunde Menschenverstand und der viel zitierte gute Geist des Sports ist dabei schon lange auf der Strecke geblieben. Immer mehr Leute wenden sich entsetzt ab und fahren ihre Private Viewings hoch – mit Local Beer und Free Dresscode.

Gut so.

Advertisements