Das totale Chaos richtet die UEFA in Sachen Public Viewings an: Zwei Wochen vor Anpfiff ist (nach einem Gerichtsentscheid) in Sachen Tarife weniger als nichts klar. Das zweitgrösste Puff bahnt sich in den Fanzonen von kleinen Provintzstädten an: geregelt scheint vielenorts viel weniger als das nötigste, angerichtet wird aber mit der Jahrhundertkelle.

Schon die grossen Städte haben mit ihren Fanzonen und Public Viewings ihre liebe Mühe. In Basel mussten sie wegen anschleichendem PR-Gau die Biermauer um drei Restaurants von 2.20 m auf einszwanzig runterfahren, kicher. In Zürich läuft ein lokaler Gewerbeverein Sturm gegen das rigorose Verkehrsregime in seinem Quartier. In Bern geht man gar davon aus, dass die Euro 08 für den Stadionbetreiber ein Verlustgeschäft wird. Soweit so mürbe.

Noch viel skurriler gehts aber auf dem Land zu. Hier rollt die Eurowalze quasi alles platt. Hier fahren kleine PR-Buden und ambitionierte Lokalpolitiker richtig grosse Kisten hoch. So z.B. in Buchs, einer Kleinstadt im St. Galler Rheintal. Das dortige Marketing eröffnet das Online Getöse schon mal mit einem top Slogan Plagiat: Wir sind Buchs.

Gestatten – wir sind Eurospuk, die Expertenrunde mit dem kühlen Blick. Unsere Sonderkorrespondentin Frau Seitenlinie hockt in Buchs – als Kleingewerblerin – mitten in der Zone und ist verzweifelt. Sie telegrafierte uns folgende Depesche:

„Buchs ist bereit und freut sich auf ein Fest mit Ausstrahlung“

Dumm nur, dass das nicht alle Buchser wissen. Die direkten Anwohner zum Beispiel. Ihre Wohnzone wird für den Verkehr gesperrt – aber das hat ihnen irgendwie einfach noch niemand gesagt. Auch nicht, dass sie einen speziellen Pass brauchen, wenn sie mit ihrem Wagen bis vor ihre Haustür fahren oder von ihrer Haustür weg in die nähere oder weitere Welt gondeln möchten. Dasselbe gilt für Besucher, die mutig genug sind, während der Euro jemandem in dieser Zone ihre Aufwartung zu machen. Wie das mit den Geschäftskunden geht, weiss niemand so genau, weil einige der betroffenen Geschäftsinhaber noch nichts von einem solchen Pass wissen. Aber es bleibt ja auch noch jede Menge Zeit, darüber zu informieren, nicht wahr.

Seien wir also keine Spielverderber und wenden uns den positiven Aspekten der EURO 08 im Allgemeinen und jener des Public Viewing im Speziellen zu: Die Bahnhofstrasse ist beflaggt.

„Buchs blüht – so auch in der Bahnhofstrasse. Zum sanften Grün der Bäume gesellen sich als Auftakt des nationalen Fussball-Sommers die 16 Fahnen der UEFA EURO 2008 Teilnehmernationen…“

Und es gab eine nette Pressekonferenz:

„Genau einen Monat und zwei Stunden vor dem EM-Anpfiff luden wir zur Pressekonferenz. Kurz und bündig: Buchs ist bereit und freut sich auf ein Fest mit Ausstrahlung!“ Am Schluss gab’s ein süsses „Hopp“ mit auf den Weg: Sofort-Energie für den Vorbereitungs-End-spurt… und natürlich „Hopp Schwiiz“… wir wollen (über Buchs) nach Wien ;-)“

Den Energieriegel heben wir uns besser noch auf. Da keine offiziellen Parkplätze vorgesehen sind, und die öffentlichen Parkplätze auch ohne EURO 08 immer belegt sind, brauchen wir diese Energie unter Umständen, um die paar Kilometer vom wild geparkten Wagen zur UBS Arena hinter uns zu legen.

Nur noch wenige Tage. Wir freuen uns uneingeschränkt.

(Zitate von der Buchs Marketing Webseite)

Updates von Frau Seitnelinie aus dem schönen Buchs folgen hier permanently. Den ersten Teil finden sie hier.

Weitere Liveberichte von Public Wahnsinns Viewings sind jederzeit willkommen. Hier können Sie sich ausweinen. Wenden Sie sich an die Expertenrunde via ballerina@gmail.com

Advertisements