Fancamps: Noch nicht alle unter Kontrolle. So munkelt man jedenfalls da und dort. Die grossen Fancamps sind polizeitechnisch kein Problem, hört man. Aber all die vielen kleinen, draussen irgendwo im Acker, machen den Security Chefs Sorgen. Niemand weiss genau, wieviele es sind, wer da kommt und was da kommen mag und wie viel von allem.

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Rigoroser Dresscode auch für die Samariter. Wo grosse Events sind, sind sie meistens auch: die Samariter. Sie kümmern sich um Hitzeschläge, verstauchte Knochen und Bierleichen. Freiwillig und unentgeltlich resp. für einen symbolischen Lohn. Sie tun das auch an der Euro 08. Denn sie sind eine gut ausgebildete Truppe mit eingespielten Strukturen. Sie tragen sogar eine Art Uniform. Was die Uefa nicht daran hinderte, auch hier den bekannten rigorosen Dresscode klipp und klar durchzugeben: keine sponsorenfremden Kleidungsstücke. Auf dass keiner der Samariter mit dem falschen Paar Turnschuhe im Stadion einläuft. Hey Platini: Das ist an Kleingeist nicht mehr zu unterbieten.

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Lobbying à la Uefa: handfeste Vorteile. Dem Tages Anzeiger sind brisante Papiere in die Finger gekommen, die einen kleinen Einblick bieten in die Lobbyinggepflogenheiten bei der Vergabe von Mega Events. Die Schweiz und Oesterreich haben das für die Euro 08 gemeinsam getan und u.a. Verbandspräsidenten von minderbemittelten Verbänden besucht. Diesen sind offensichtlich „handfeste Vorteile“ in Aussicht gestellt worden. Interessant war gestern im TA Print v.a. ein Kästchen mit einem Auszug aus dem damligen Lobbyingkonzept, mit dem das Fussballdings seinerzeit an Land geholt worden ist. Zwar hat TA Online heute das delikate Geschichtchen gebracht, leider aber vergessen, das noch delikatere Kästchen zum Artikel zu stellen. Da helfen wir natürlich gerne aus:

«Zur Stärkung der Verhandlungsposition führt andererseits die Möglichkeit, dem Offertnehmer von unserer Seite Vorteile irgendwelcher Natur zu verschaffen. Hier ist der Fantasie grundsätzlich keine Grenze gesetzt, als banales Beispiel kann die Vereinbarung von Freundschaftsspielen oder die Einladung zu Turnieren in die Schweiz genannt werden.» «Die sog. neutralen Mitgliederverbände können entweder mit (fussball-)politischen Argumenten überzeugt oder mit handfesten Vorteilen für sie an Land gezogen werden. Versprechen betr. Stimmverhalten sind bekanntlich nicht einklagbar, gleichzeitig bringt uns die Passivität in diesem Bereich sicher nicht weiter, geschweige denn zum Ziel. Folglich müssen allfällige Bedürfnisse dieser Verbände geprüft werden; gerade im Lichte der Solidarität, die sich bekanntlich auch die Uefa auf die Fahne geschrieben hat, bestehen sicher Möglichkeiten, weniger bemittelte Mitgliederverbände in irgendeiner Art zu unterstützen. Die erwähnten Bedürfnisse können wohl nur im Rahmen eines Besuchs dieser Verbände durch die Führungsperson und/oder eines Absenders eruiert werden. Diese Reisen sind sorgfältig zu planen, um bei den Adressaten die richtige Reaktion hervorzurufen. Die erwähnten Besuche müssen in den Monaten März und April 2002 stattfinden.»

Interessant, auf was man da so alles schauen muss, oder?

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Die Eventisierung von Innenstädten, Citys dem Meistbietenden. Was die Uefa heute mit den Innenstädten anstellt, wollen schon bald andere Veranstalter auch anstellen. Dieser Meinung ist Stadtsoziologe und ETH-Dozent Christian Schmid. Er sagt: „Es wird selbstverständlich, dass Events stattfinden, für die man gewisse Teile der Stadt an die Veranstalter abgibt, die wiederum Rechte an Sponsoren weiterverkaufen. Das Hauptproblem ist, dass man beginnt, Teile der Stadt als solche zu verkaufen, und den Veranstaltern die Möglichkeit gibt, nach privatwirtschaftlichen Interessen zu bestimmen, was dort stattfinden darf und was nicht. Das ist das Bedenkliche an dieser Tendenz.“ Das ganze Interview gibts bei NZZ Online.

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PS: Die Short Spuks erscheinen hier regelmässig unregelmässig. Hinweise aus dem Fussvolk bitte an ballerina.eurospuk@gmail.com. Die Illustration dazu stammt von nille – vielen Dank.

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