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Gestern hob die umsatzstärkste Sportveranstaltung Europas zum Finale Grande an. Österreich rechnete vor wenigen Jahren mit einigen hundert Millionen Euro Gewinn aus diesem Event. Heute ist man froh, wenn es mit einer flachen Null aufgeht. Den Betreibern des Stade de Suisse in Bern geht es gleich, auch sie rechneten mit einem guten Geschäft und sind heute froh, wenn sie nicht drauflegen. Die Dummen sind die Steuerzahler.

Für Portugal 2004 wurden zehn Stadien zum Teil neu gebaut, investiert wurden allein vom Staat 1.5 Milliarden. Die meisten dieser Stadien stehen heute leer, ein wirtschaftliches Fiasko. Die Uefa machte in Portugal einen Bruttoumsatz von 1.3 Milliarden. Mit der Euro 08 kitzeln sie die 2-Milliardengrenze. Die Hälfte davon soll als Gewinn übrigbleiben. Steuerfrei.

Das ist im Vergleich zu Sootschi 2014, der Winter Olympiade in Russland, noch gar nichts. Dort will der Russe ein komplett neues Sport- und Ferienresort hochziehen. Das verschlafene und schlecht erschlossene Nest wird zur Topdestination Russlands hochgetunt. Dafür braucht es Hotels, Stadien, Wintersportanlagen (Seilbahnen, Skilifte etc.), Strassen, Eisenbahnen (inkl. Tunnels, Stadler Rail ist schon am Ball), Infrastrukturen (Energie, Wasser, etc.), Schulen, Wohnungen, Spitäler – alles neu. Kosten: 30 Milliarden.

Vor der Tür steht ja auch Peking 08, eine Sommer Olympiade. Wieviel dort investiert wurde, ist schwer zu beurteilen. Sicher ist nur, dass in China diverse Nebenkosten anfallen, die in dieser Art hierzulande nur in homöopathischen Dosen aufkommen. Z.B. hat man in Peking gerade kürzlich 10’000 zusätzliche sog. „Internetpolizisten“ angeheuert. Zu den 100’000, die man schon hat. Spielt aber alles keine Rolle, schliesslich will man hier den weltgrössten Markt erobern und anders geht das nun mal nicht.

Klar ist, dass in diesem ganzen Zirkus fast alles austauschbar ist. Die Sponsoren, die Orte, die Profiteure. Nur eines nicht: Die Sportler. Sportbusiness ist auf wenigen hundert Spitzensportlern aufgebaut, um die herum die ganze Show inszeniert wird. Ohne die Sportler läuft gar nichts. Sie sind nicht einfach nur das Salz in der Suppe, sondern das entscheidende Atömchen, das die Maschine erst zum laufen bringt.

Eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Stellt man die 2 Milliarden Uefaumsatz den 368 Fussballspielern gegenüber, muss man schon von einer Bürde reden. Oder von Macht? Eine Macht, die im Showbusiness da und dort sogar wahrgenommen wird. Mandela wäre ohne ein paar Dutzend Popstars nicht oder viel später frei gekommen.

Die Frage lautet also: Ist es angesichts der gigantischen Umsätze, die da gebolzt werden, noch opportun, dass die Sportler zu schlimmen politischen Zuständen und überkandidelten Superbusinessprojekten einfach nichts sagen? Nichts sagen dürfen, sollen, müssen?

In Zeiten, in denen jedes KMU mit Sachen wie Corporate Gouvernance (gemeint ist damit nichts weiter als anständiges Benehmen) herumschlagen muss, ist nicht einzusehen, warum gerade Sportler das nicht müssen resp. dürfen. Nicht jeder Sportler muss ein Tommie Smith (Bild oben) sein. Aber der eine oder andere dürfte schon mal etwas sagen zu den allgemeinen Zuständen. Wie das im Showbiz der eine oder andere Superstar auch tut.

Spitzensportler 2.0 sind wären dann keine reinen Kampfmaschinen mehr, sondern Persönlichkeiten mit Rückgrat und einer eigenen Meinung. – Wie weit wir von einem solchen Idealbild entfernt sind… seufz, man darf gar nicht dran denken.

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> Ein Interview mit der Sprinterlegende Tommie Smith, der an der Siegerehrung an der Sommerolympiade 1968 die Faust erhob und damit der Black Power Bewegung (quasi die Keimzelle von Barack Obamas Erfolg von heute) weltweite Beachtung verschaffte, finden Sie beim Schweizer Journalisten Peter Hossli auf hossli.com

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Fancamps: Noch nicht alle unter Kontrolle. So munkelt man jedenfalls da und dort. Die grossen Fancamps sind polizeitechnisch kein Problem, hört man. Aber all die vielen kleinen, draussen irgendwo im Acker, machen den Security Chefs Sorgen. Niemand weiss genau, wieviele es sind, wer da kommt und was da kommen mag und wie viel von allem.

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Rigoroser Dresscode auch für die Samariter. Wo grosse Events sind, sind sie meistens auch: die Samariter. Sie kümmern sich um Hitzeschläge, verstauchte Knochen und Bierleichen. Freiwillig und unentgeltlich resp. für einen symbolischen Lohn. Sie tun das auch an der Euro 08. Denn sie sind eine gut ausgebildete Truppe mit eingespielten Strukturen. Sie tragen sogar eine Art Uniform. Was die Uefa nicht daran hinderte, auch hier den bekannten rigorosen Dresscode klipp und klar durchzugeben: keine sponsorenfremden Kleidungsstücke. Auf dass keiner der Samariter mit dem falschen Paar Turnschuhe im Stadion einläuft. Hey Platini: Das ist an Kleingeist nicht mehr zu unterbieten.

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Lobbying à la Uefa: handfeste Vorteile. Dem Tages Anzeiger sind brisante Papiere in die Finger gekommen, die einen kleinen Einblick bieten in die Lobbyinggepflogenheiten bei der Vergabe von Mega Events. Die Schweiz und Oesterreich haben das für die Euro 08 gemeinsam getan und u.a. Verbandspräsidenten von minderbemittelten Verbänden besucht. Diesen sind offensichtlich „handfeste Vorteile“ in Aussicht gestellt worden. Interessant war gestern im TA Print v.a. ein Kästchen mit einem Auszug aus dem damligen Lobbyingkonzept, mit dem das Fussballdings seinerzeit an Land geholt worden ist. Zwar hat TA Online heute das delikate Geschichtchen gebracht, leider aber vergessen, das noch delikatere Kästchen zum Artikel zu stellen. Da helfen wir natürlich gerne aus:

«Zur Stärkung der Verhandlungsposition führt andererseits die Möglichkeit, dem Offertnehmer von unserer Seite Vorteile irgendwelcher Natur zu verschaffen. Hier ist der Fantasie grundsätzlich keine Grenze gesetzt, als banales Beispiel kann die Vereinbarung von Freundschaftsspielen oder die Einladung zu Turnieren in die Schweiz genannt werden.» «Die sog. neutralen Mitgliederverbände können entweder mit (fussball-)politischen Argumenten überzeugt oder mit handfesten Vorteilen für sie an Land gezogen werden. Versprechen betr. Stimmverhalten sind bekanntlich nicht einklagbar, gleichzeitig bringt uns die Passivität in diesem Bereich sicher nicht weiter, geschweige denn zum Ziel. Folglich müssen allfällige Bedürfnisse dieser Verbände geprüft werden; gerade im Lichte der Solidarität, die sich bekanntlich auch die Uefa auf die Fahne geschrieben hat, bestehen sicher Möglichkeiten, weniger bemittelte Mitgliederverbände in irgendeiner Art zu unterstützen. Die erwähnten Bedürfnisse können wohl nur im Rahmen eines Besuchs dieser Verbände durch die Führungsperson und/oder eines Absenders eruiert werden. Diese Reisen sind sorgfältig zu planen, um bei den Adressaten die richtige Reaktion hervorzurufen. Die erwähnten Besuche müssen in den Monaten März und April 2002 stattfinden.»

Interessant, auf was man da so alles schauen muss, oder?

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Die Eventisierung von Innenstädten, Citys dem Meistbietenden. Was die Uefa heute mit den Innenstädten anstellt, wollen schon bald andere Veranstalter auch anstellen. Dieser Meinung ist Stadtsoziologe und ETH-Dozent Christian Schmid. Er sagt: „Es wird selbstverständlich, dass Events stattfinden, für die man gewisse Teile der Stadt an die Veranstalter abgibt, die wiederum Rechte an Sponsoren weiterverkaufen. Das Hauptproblem ist, dass man beginnt, Teile der Stadt als solche zu verkaufen, und den Veranstaltern die Möglichkeit gibt, nach privatwirtschaftlichen Interessen zu bestimmen, was dort stattfinden darf und was nicht. Das ist das Bedenkliche an dieser Tendenz.“ Das ganze Interview gibts bei NZZ Online.

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PS: Die Short Spuks erscheinen hier regelmässig unregelmässig. Hinweise aus dem Fussvolk bitte an ballerina.eurospuk@gmail.com. Die Illustration dazu stammt von nille – vielen Dank.

Basel macht seinem Ruf als progressivste Stadt der Schweiz auch in Sachen Euro 08 alle Ehre: Nach den mutigen 3 Beizern bietet nun auch eine Kleinbrauerei den Eurobossen die Stirn. Mit einem Protestbier und pikanten Aktionen in der Stadt.

Nur gerade drei Gastronomen haben sich gegen die unsäglichen Uefavorschriften ernsthaft gewehrt. Alle anderen Beizer in den Fanzonen, also ca. 99.99999%, haben sich dem bizarren Bierdiktat der Uefa mehr oder weniger stillschweigend hingegeben. Einzig die Berner Oberländer Gemeinde Unterseen (Interlaken) hat dem dänischen Bier ein originall oberlendisches „No Way“ erteilt. „Wir trinken hier unser eigens Bier (Rugen), da kann kommen wer oder was will“, so der dortige Stapi sinngemäss.

Einen Schritt weiter geht nun die Kleinbrauerei „Unser Bier“ in Basel. Mit dem Slogan „BASEL. MEHR ALS NUR CALRSBREG.®“ geht die aufmüpfige Volksbrauerei (über 4’000 Aktionäre) mit einem eigentlichen Protestbier an den Start. 15’000 Flaschen „offizielles Trittbrettfahrerbier“, 1’000 T-Shirts (siehe oben), div. Aktionen in der Stadt und auf dem Rhein – alles parat. Inkl. Megaposter mitten in der City:

Ein Jammer, dass das nur die Basler kapieren. Ein Jammer, wie lächerlich sich die Uefageldsäcke auch in Wien aufführen. Dort kann der einheimische „G’spritzte“ in den Fanzonen nur mit einer Ausnahmebewilligung angeboten werden. Lustfeindlicher gehts nicht mehr.

Die Uefa verbietet eine Ticket Verlosung der SP-Fraktion des Basler Grossen Rates. Während die künstliche Vorfreude in den Medien langsam auf die nächste Zündstufe hochgefahren wird, mit homöopathischer Wirkung übrigens, tritt die Uefa noch schnell in ein ganz besonders peinliches Fettnäpfchen. Sie verbietet den SP Politikern, ihre Gratistickets an eingefleischte, aber finanziell schwächer gestellte Fans weiterzugeben. Könnte ja sein, dass  dann plötzlich einfache Leute in den VIP Logen rumhängen und dort den Smalltalk durcheinander bringen. Die Schweiz schüttelt einmal mehr den Kopf ab dieser enormen Massierung von feudalistischem Kleingeist.

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100’000 Liter Urin verpinkelten die Fans 2006 im Berliner Tiergarten. Pro Tag. An der Fauna in dem weltberühmten Park entstand ein Schaden von 200’000 Euro. In Zürich – man rechnet dort mit einem Urinaufkommen von ca. 50’000 Liter/Tag – will man es nicht soweit kommen lassen. Die Sträucher und Bäume werden regelmässig abgeduscht und damit die biergesäuerte Urinbrühe etwas verdünnt. Nichtsdestotrotz geht man davon aus, dass 50% der Männer Wildpinkler sind. Macht in Züri 25’000 Liter, die dann von sog. Schwemmfahrzeugen aus vollgepissten und stinkenden Gassen weggespült werden müssen. Täglich. Wer das alles bezahlt, dürfte klar sein: Die Uefa nicht.

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85 neue Top Hotspots für Ganoven entstehen im Juni in der Schweiz, denn soviele Polizeiposten werden dicht gemacht. Die Polizisten werden an der Euro 08 gebraucht. Im Kanton Freiburg sind es gleich 20 verwaiste Polizeiposten – ganze Landstriche werden dort quasi zu rechtsfreien Zonen. Die Polizeigewerkschaft ist entsetzt. Div. Ganovensyndikate sollen bereits am Rekognoszieren sein. Bürgerwehren sind eine Frage von Tagen. Michel winkt ab: „Wir übernehmen alle Schäden.“

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Alptraum Video gegen Frauenhandel – Stimmungstöter als Feigenblatt. Warum die Frauenorgas das Fussballdings für eine Kampa ambushen, ist  nur einigermassen einleuchtend, wie sie es machen, ist zumindest merkwürdig. Ein ziemlich brutaler Spot, gedreht in London von Topfilmkraft Jeff Thomas, wird am Fernsehen und in den Fanzonen gezeigt, und auf der Website der Kampa. Embedden geht aber nicht. Auch sonst kommt die Website eher einsnullig daher und sieht aus wie solche Kampaseiten halt aussehen: Viele PDFs, eine Petition und ein Unterstützungskomitee. Warum die Kampa ausgerechnet an das Fussballdings gekoppelt wird, bleibt unklar. Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Uefa das Ding im Sinne eines Feigenblatts (vor dem ganzen restlichen Marketinggetöse) einfach mal gefallen lässt. Ob das so was wird (mit den hehren Kampazielen), darf bezweifelt werden.

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Die Bierpreise sind in Österreich fast 50% höher. Und das kommt so: Die Hofbrauerei der Uefa ist bekanntlich Carlsberg. Dieser Konzern hat vor ein paar Jahren die Schweizer Nationalbrauerei Feldschlösschen geschluckt und die brauen jetzt das ganze Carlsbergbier für die Euro. Bis dieser Gerstensaft in Österreich angekommen und auf die paar hundert  Zapfstellen verteilt ist, soll das Logistikkosten in exorbitanter Höhe verursachen. Darum kostet in Stadien und Fanzonen ein Plastikbecher mit vier Deziliter Bier in der Schweiz 5 Franken und in Österreich 7.30. Liebe Carlsberg: Abgesehen davon, dass schon der CH-Preis Wucher ist, ist der Ösipreis eine Frechheit – völlig abgehoben. Wie kann man nur so unsensibel mit seinen Kunden umgehen?

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PS: Die Short Spuks erscheinen hier regelmässig unregelmässig. Hinweise aus dem Fussvolk bitte an ballerina.eurospuk@gmail.com. Die Illustration dazu stammt von nille – vielen Dank.

Das totale Chaos richtet die UEFA in Sachen Public Viewings an: Zwei Wochen vor Anpfiff ist (nach einem Gerichtsentscheid) in Sachen Tarife weniger als nichts klar. Das zweitgrösste Puff bahnt sich in den Fanzonen von kleinen Provintzstädten an: geregelt scheint vielenorts viel weniger als das nötigste, angerichtet wird aber mit der Jahrhundertkelle.

Schon die grossen Städte haben mit ihren Fanzonen und Public Viewings ihre liebe Mühe. In Basel mussten sie wegen anschleichendem PR-Gau die Biermauer um drei Restaurants von 2.20 m auf einszwanzig runterfahren, kicher. In Zürich läuft ein lokaler Gewerbeverein Sturm gegen das rigorose Verkehrsregime in seinem Quartier. In Bern geht man gar davon aus, dass die Euro 08 für den Stadionbetreiber ein Verlustgeschäft wird. Soweit so mürbe.

Noch viel skurriler gehts aber auf dem Land zu. Hier rollt die Eurowalze quasi alles platt. Hier fahren kleine PR-Buden und ambitionierte Lokalpolitiker richtig grosse Kisten hoch. So z.B. in Buchs, einer Kleinstadt im St. Galler Rheintal. Das dortige Marketing eröffnet das Online Getöse schon mal mit einem top Slogan Plagiat: Wir sind Buchs.

Gestatten – wir sind Eurospuk, die Expertenrunde mit dem kühlen Blick. Unsere Sonderkorrespondentin Frau Seitenlinie hockt in Buchs – als Kleingewerblerin – mitten in der Zone und ist verzweifelt. Sie telegrafierte uns folgende Depesche:

„Buchs ist bereit und freut sich auf ein Fest mit Ausstrahlung“

Dumm nur, dass das nicht alle Buchser wissen. Die direkten Anwohner zum Beispiel. Ihre Wohnzone wird für den Verkehr gesperrt – aber das hat ihnen irgendwie einfach noch niemand gesagt. Auch nicht, dass sie einen speziellen Pass brauchen, wenn sie mit ihrem Wagen bis vor ihre Haustür fahren oder von ihrer Haustür weg in die nähere oder weitere Welt gondeln möchten. Dasselbe gilt für Besucher, die mutig genug sind, während der Euro jemandem in dieser Zone ihre Aufwartung zu machen. Wie das mit den Geschäftskunden geht, weiss niemand so genau, weil einige der betroffenen Geschäftsinhaber noch nichts von einem solchen Pass wissen. Aber es bleibt ja auch noch jede Menge Zeit, darüber zu informieren, nicht wahr.

Seien wir also keine Spielverderber und wenden uns den positiven Aspekten der EURO 08 im Allgemeinen und jener des Public Viewing im Speziellen zu: Die Bahnhofstrasse ist beflaggt.

„Buchs blüht – so auch in der Bahnhofstrasse. Zum sanften Grün der Bäume gesellen sich als Auftakt des nationalen Fussball-Sommers die 16 Fahnen der UEFA EURO 2008 Teilnehmernationen…“

Und es gab eine nette Pressekonferenz:

„Genau einen Monat und zwei Stunden vor dem EM-Anpfiff luden wir zur Pressekonferenz. Kurz und bündig: Buchs ist bereit und freut sich auf ein Fest mit Ausstrahlung!“ Am Schluss gab’s ein süsses „Hopp“ mit auf den Weg: Sofort-Energie für den Vorbereitungs-End-spurt… und natürlich „Hopp Schwiiz“… wir wollen (über Buchs) nach Wien ;-)“

Den Energieriegel heben wir uns besser noch auf. Da keine offiziellen Parkplätze vorgesehen sind, und die öffentlichen Parkplätze auch ohne EURO 08 immer belegt sind, brauchen wir diese Energie unter Umständen, um die paar Kilometer vom wild geparkten Wagen zur UBS Arena hinter uns zu legen.

Nur noch wenige Tage. Wir freuen uns uneingeschränkt.

(Zitate von der Buchs Marketing Webseite)

Updates von Frau Seitnelinie aus dem schönen Buchs folgen hier permanently. Den ersten Teil finden sie hier.

Weitere Liveberichte von Public Wahnsinns Viewings sind jederzeit willkommen. Hier können Sie sich ausweinen. Wenden Sie sich an die Expertenrunde via ballerina@gmail.com

Was machen eigentlich die grossen Schweizer Medienportale in Sachen Euro? Wenig bis gar nix, viel PR und weitgehend infantile Wettbewerbli – zeigt ein kleiner Rundgang.

Wenn die NZZ titeltUefa im Kontrollrausch„, dann ist das doch bemerkenswert. Immerhin ist die Uefa nicht niemand und die NZZ ein Weltblatt. Die Schlagzeile „UBS im Bonusrausch“ wäre aber nicht denkbar. Das sähe Herr Kurer und seine Zünftler gar nicht gern. Dem Sepp kanns aber wurscht sein, weil die Abwicklung der Party eh nur noch Routine ist. Und schliesslich gibt sich und hat auch die alte Tante ein wenig Mühe, die Euro einigermassen intelligent in Szene zu setzen. In einem reichlich infantilen Psychotest können Fussballdummies rausfinden, welche Mannschaft gefühlt am besten zum eigenen Karma passt. Supi, hey. Und in einer Art Börsenspiel kann man mit virtuellen Aktien von Fussballmannschaften dealen und dabei einen Swiss Flug oder einen iPod (was für ein ausgefallener Preis) gewinnen. Der Hammerslogan dazu: „Handeln Sie mit Ihren Erwartungen und gewinnen Sie attraktive Preise“. Liebe NZZ, das ist saurer Wein in rostigen Schläuchen.

Der nächste Zürcher Platzhirsch, TA Online, hat sein Euro Special immer noch sehr professionell versteckt. Nicht auf der Hauptseite, nicht in der Navi, man muss es suchen – hinten im Sportteil inmitten vom ganzen restlichen Sportwust. Obwohl es in diesem Special eigentlich brandheisse Hintergrundstorys gäbe, z.B. zu den Einsätzen von „deutschen Polizisten im Schweizer Nahkampf“. Erstaunlich auch, dass in diesem Euro Spezial die Topstory ganz oben vom 8. Mai stammt und damit schon ganze 12 Tage alt ist.

Man verlässt sich wohl im Hause TA eurotechnisch ganz auf das Newsnetzwerk Facts 2.0, wo man das Fussballdings mit allerlei Geschichten begleitet und sich mit dem Spreeblickblogger Malte Welding einen deutschen A-Blogger als Kolumnist geangelt hat. Komisch nur, dass auch diese gut gemachten Aktivitäten drüben bei TA Online konsequent verschwiegen werden. Auffallend auch: Reaktionen (Kommentare) auf die hübsch markierten Eurostorys bleiben bei FACTS 2.0 weitgehend aus.

Sehr traurig siehts bei Espace.ch aus, dem Gemischtwarenladen Onlineportal von Berner Zeitung, Bund, Thuner Tagblatt, Berner Oberländer, Berner Bär, Solothurner Tagblatt, Solothurner Woche, Capital FM, Canal 3 und Telebärn – alles zusammen monopolisiert erscheint bei Espace Media, einer Tochter von TA Media übrigens. Die haben auf ihrer gigantischen Web 0.9-Seite natürlich auch ein Euro Special, das erstens blinkt wie wild und zweitens noch nicht fertig programmiert zu sein scheint. Die Topstory hier hat extrem viel Lokalkolorit: „Ittigen kickt sich Euro-fit“ lautet die Schlagzeile zu einer hochbrisanten Hintergrundgeschichte über die örtliche 1.-August-Kommission, die sich in orangen T-Shirts an einem Töggelikastenturnier „zum Sieg spielte“. Beides, mit Verlaub, sind sehr gelungene Formulierungen für echte Dumpfbacken von nah und fern.

Viel Mühe gibt man sich dagegen bei 20min, ebenfalls ein TA-Media-Produkt. Das Eurodings ist auf der Hauptseite prominent verlinkt und dort finden wir ein vielgestaltiges und gut gepflegtes Angebot. Natürlich mit so klassischen Nullaussagen in den Schlagzeilen wie „Es kann wunderbar werden oder früh vorbei sein“. Herrlich. Sogar eine Rubrik „Neben dem Platz“ gibts hier. Topstory heute: EVP will mehr Geld von der Euro. Top Idee, oder? Neben dem übersichtlichen und umfassenden Angebot besticht hier die angenehme Zurückhaltung mit all zu viel dümmlichen Quizfragen.

Bei Blick Online, dem Boulevardsaurier aus dem Hause Ringier, lässt man sich hingegen nicht lumpen. Ist der ganze Multimediaflashvideoblinkiblinkizirkus erst mal geladen, hechel, gehts hier voll Rohr los. Die Euroseite ist mit Wettbewerben und PR-Storys dermassen zugepflastert überladen, dass der ganzen Sache die jounalistische Glaubwürdigkeit etwas abhanden kommt. Die UBS Arena hat man hier sogar mit einem eigenen Navipunkt bedacht, News gibts dort selbstredend nicht, dafür aber noch mehr Wettbewerbe. Beim Blick folgt man am konsequentesten dem eigentlichen Uefabusinessmodell und rollt eine grösstmögliche Businesslawine auf allen Kanälen aus. Wir würden hier von Züri Höngg aus mal kühn behaupten, dass sie beim Blick mit den vielen infantilen Gewinnspielchen leicht übers Ziel hinaus schiessen und normal intelligente Leute extrem nerven.

heute online (Ringier) hat noch gar nicht gross Lust gehabt, das Fussballdings zu fiitschern. Genau genommen könnte man sagen, dass heute bis heute die Euro 08 quasi totschweigt. Das Fachportal für unterbelichtete unterbeschäftigte Ausgehkids (oversexed and underfucked) beschränkt sich zumindest heute auf den Marschbefehl von Verteidigungsminister Sämi Schmid, einer Veranstaltung, an der die Schweizer Kicker ihr schlecht sitzenden Designeranzüge erstmals ausführen durften. Nicht gerade der Brüller, diese Meldung. Trotzdem steht sie auch auf der Sportseite zuoberst und ist dort die einzige Euromeldung bis weit unten in der Seite, wo eine vier Tage alte Meldung zur Einschränkung des Flugverkehrs über den Stadien vor sich hindöst. – Gut, die machen ja ihren Laden bald dicht (und werden zum Blick am Abend) und haben vermutlich deswegen das Fussballdings gar nicht erst angeschoben. Würden wir hier auch so machen.

Fazit: Die mediale Aufbereitung der Euro ist mangels allgemeiner Begeisterung bisher weitgehend gescheitert. Nirgends will richtig gute Laune aufkommen, es dominieren Pflichtstoff und Marketinggetöse, wie selbst Spiegel Online konsterniert feststellt. Die Uefa bastelt an div. Imagebaustellen (Tarife bei Public Viewings, Dresscodes, Masern, etcpp.) und das ganze riesige Supermegagigaevent will einfach nicht so recht ins Umfeld der Supermegaerdbeben und dem Supermegacampinggroove im Irrawaddydelta und den Supermeganahrungsmittelkrisen und dem supermegarassistischen Aufstand in Joburg (WM 2010) passen. Finden wir hier in Züri Höngg.

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Die ganzen Drohnen und alles könnte man ja nicht rechtfertigen, gäbe es da nicht Ambusher wie die Al Kaida, einem fiesen Krawallstartup. Rechtzeitig einen Monat vor dem Ansturm Anpfiff haben sie mal einen ersten Programmüberblick abgeliefert: Sie wollen die beiden sichersten Länder Europas in eine Hölle verwandeln. Tut das nicht, ihr Saftsäcke. Unsere Drohnen fliegen auch ohne eure Bomben.

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Die häusliche Gewalt werde während der Euro 08 zunehmen, melden die Frauenhäuser. Studien sprechen von 30%, Gründe seien erhöhter Stress und Trunkenheit. Egal wie hoch die Zahlen wirklich sind, sie sind ein makabres Mosaiksteinchen im ServicePublicPreis, den die Allgemeinheit für diese Businesswalze zu bezahlen hat.

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Wie und wo Anwohner von Fan- und Sexzonen dann wieder nach Hause kommen, interessiert vier Wochen vor der Party noch kaum jemanden. Ausser vielleicht Herrn Zee vom Architecture Blog. Viel hat er bei seinen Recherchen zwar nicht herausgefunden, aber immerhin werde im Fanzonenhandbuch die erstaunliche Tatsache vermeldet, dass es eine Auflage für den Bierpreis gibt, 4 dl sind für Fr. 5.-/Euro 3.50 zu verdealen. Auflage? Freie Marktwirtschaft? Weiss der Preisüberwacher Bescheid?

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Auch Politiker dümpeln befassen sich in diesen Tagen fast nur noch mit allerhand superwichtigen Euro 08 Themen. In Bern hat das Stadtparlament beispielsweise via Postulat mit 61:0 Stimmen (gegen den Stadtpräsidenten) durchgesetzt, dass die Hydranten zum Gratisverzehr von Trinkwasser geöffnet werden sollen. Wofür sonst haben wir Parlamente, wenn nicht für so wichtige Sachen?

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PS: Die Short Spuks erscheinen hier regelmässig unregelmässig. Hinweise aus dem Fussvolk bitte an ballerina.eurospuk@gmail.com. Die Illustration dazu stammt von nille – vielen Dank.

Tja, liebe espace.ch, was soll man da noch sagen? Einfach das gleiche Bildli nehmen wie wir geht ja noch. Wir habens ja schliesslich auch nur genommen, hüstel. Wobei wir nicht ganz sicher sind, ob die Creative Commons Lizenz auch für steinreiche Medienhäuser gilt.

Wie auch immer: Dass das famose Kult-Bildli mit ausgerechnet dieser unmissverständlichen Geste als Dekoration für ein Espace-Quiz herhalten muss, ist doch eher unpassend, oder?

Als ob ihr dem Leser sagen wolltet: „Steckt euch euer Quiz selber in den Dings…“. Oder: „Ätsch, du Dumpfbacke weisst eh nichts“. Aber vermutlich handelt es sich doch um eine verkappte Abwesenheitsmeldung des verantwortlichen Programmierers, der endlich Feierabend machen und uns sagen wollte: „Fuck you, readers, i go Apéro“. Diesen Eindruck macht jedenfalls die Startseite des Quiz:

Tja, liebe Espace, so wird das nichts mit dem crossmedialen Eurosupporting.

Tss…

Sie erinnern sich: Drei Basler Wirte am Rheinufer mitten in der Fanzone weigerten sich heldenhaft, das offizielle Eurobier auszuschenken. Daraufhin beschloss die Uefa, die drei Beizen während dem Turnier mit einem 2.2 m hohen Zaun einzupacken, was den Gastrobetrieben nicht nur die Sicht auf die Grossleinwand, sondern auch die auf den Rhein versperrt hätte. Eine Bierinsel quasi. Ein ungeheuerlicher Vorgang, der an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten und in der europäischen Gastronomieszene bisher einmalig ist.

Die Drohung der Uefa hat sich nun in heisse Luft aufgelöst. Ganz offensichtlich hatten die Uefaleute die Rechnung ohne die drei Wirte gemacht, die das Ding tatsächlich durchziehen wollten und hinter dem Zaun bereits eine alternative Party vorbereitet hatten. Das war den Fussballbossen dann doch nicht ganz geheuer. Nicht wegen der Empörung der Leute, sondern wegen der Bilder, die da zweifellos um die Welt gegangen wären (und schon jetzt gegangen sind).

Man stelle sich vor, CNN und Al Jazeera würden von dieser kruden Euro-Mauer in Basel berichten. Davon, wie sich dahinter eine fröhliche und uefafreie Fanzone an allerlei Biersorten gütlich tut. Wie die Fans es geniessen, ohne läppischen Dresscode und ohne aufdringlich scheinheiliges Sponsorengeschwurbel dem Turnier zu frönen. Es wäre ein PR-Gau gewesen.

Darum haben die Uefamanager jetzt ein wenig Heu heruntergegeben und grossspurig verkündet, dass der Zaun nun nicht mehr 2.2 m hoch wird, sondern nur noch 1.2 – 1.4 m. Ob das den Lächerlichkeitskoeffizienten in gleichem Massstab eindampft, bleibt abzuwarten. Zaun bleibt Zaun. Lächerlich bleibt lächerlich – und damit weiterhin weltweit ein gefundenes Fressen für den Boulevard.

Fakt ist zudem, dass alle anderen Wirte in der Fanzone Basel die exorbitanten Geldforderungen zu begleichen, das Bierdiktat zu befolgen und den Sponsorendresscode zu schlucken haben. Nur die drei Beizer in Basel können zapfen was sie wollen.

Eigentlich schafft der unbeholfene Fallrückzieher der Uefa im Fall Basel eine ganz neue Ausgangslage – ein Präjudiz sozusagen. Boah: Wenn die das können, sollte man meinen, sollten das andere auch können. Eigentlich müsste das hunderte von Nachahmern finden. Beizer, die sich pragmatisch sagen: Wenn die dürfen, darf ich auch.

Denkste. Die Eurowalze hat die Schweizer Gastronomie dermassen paralysiert, dass es bisher keinem einzigen Kneipier in den Sinn gekommen ist, den Basler Freipass zu übernehmen. Vermutlich haben viele Wirte schon Verträge unterzeichnet und befinden sich wegen juristischer Falltüren in Schockstarre. Andere denken sich wohl, falls sie überhaupt denken, dass sie eh keine Chance haben gegen den millardenschweren Uefakonzern.

Mittlerweile pfeiffen es sogar die Spatzen von den Dächern, dass die Uefa mit ihren Drohungen eigentlich nur die Kleinen meint. Gegen die Ambushkampa der Migros drohte man anfangs noch juristisch vorgehen zu wollen, tat es dann aber doch nicht. Denner machts, die CS machts, viele andere grosse Player kochen ihre Ambushsüppchen. Die Uefa tut nichts gegen sie. Ein Prozess gegen solche Unternehmen würde zu lange dauern, zu viel kosten und das Image der Uefa noch weiter in den Keller spülen.

Einfache Kneipiers, kleine Public Viewing Orgas und die Zuschauer in Stadien und Fanzonen werden aber weiterhin mit juristischem Sperrfeuer zugemüllt und mit läppischen Vorschriften genervt.

Ob das alles mit dem Fairnessmotto zu vereinbaren ist, mit dem die Uefa penetranterweise dauernd rumwedelt, muss bezweifelt werden. Der gesunde Menschenverstand und der viel zitierte gute Geist des Sports ist dabei schon lange auf der Strecke geblieben. Immer mehr Leute wenden sich entsetzt ab und fahren ihre Private Viewings hoch – mit Local Beer und Free Dresscode.

Gut so.

Wie sehr die Eurowalze alles und jeden einlullt, sieht man u.a. daran, wie Städte mit ihrer Stadt umgehen. Ganze Innenstädte werden zu Fanzonen umfunktioniert, die Anwohner können selber schauen, wie sie damit umgehen. Erstaunlich auch, dass viele dieser Konzepte erst in den letzten Monaten, in der Provintz vielenorts auch erst in den letzten Wochen präsentiert wurden. So gilt man als Einsprecher natürlich gleich als Miesmacher.

Dem Zürcher Gewerbeverein Seefeld war das egal, er machte Einsprache gegen die Sperrung von Strassen für den privaten Verkehr – und bekam gestern Recht. Interessant die Begründung des Statthalters, NZZOnline zitiert ihn so:

Vielmehr scheine es, die Verantwortlichen wollten die Euro 08 dazu nutzen, ein riesiges Strassen- oder Volksfest zu veranstalten. Hiefür bestehe aber kein gewichtiges öffentliches Interesse, insbesondere, wenn dafür wichtige Verbindungsstrassen zwischen einzelnen Quartieren blockiert werden müssten. Das öffentliche Interesse daran, die Hauptverkehrsachsen ungehindert befahren zu können, überwiege klar.

Man spricht in Zürich von einem Scherbenhaufen. In der Tat: einen Monat vor der Party ist da guter Rat teuer. Die NZZ weiter:

Weniger als einen Monat vor dem ersten EM-Spiel ist eine Konzeptänderung für die Festivitäten kaum mehr möglich. Die Bewilligungen für die Marktstände und die Barbetriebe sind erteilt, die Grossleinwände für das Public Viewing auf dem Sechseläutenplatz und am Seebecken sind bestellt, Tickets sind verkauft und Verträge mit Sponsoren abgeschlossen.

Sehr erstaunlich befremdend unprofessionell ist der Umstand, dass der Zürcher Stadtrat dieses rigorose Verkehrskonzept (Sperrung der Utoquaibrücke und einen Teil des Utoquais an 20 Tagen von jeweils nachmittags bis am anderen Morgen) erst im Dezember 2007 präsentiert hatte. Er war sich seiner Sache so sicher, dass er nicht mal eine Alternative in der Hinterhand hat. Das war zu hoch gepokert und endete gestern vorläufig in einem Megafettnäpfchen. Jedes Pfadilager ist besser aufgestellt.

Der Zürcher Stadtrat ist ab diesem Entscheid völlig aus dem Häuschen. Er wirft nicht nur dem Statthalter Inkompetenz vor, er ergreift auch alle juristischen Kanonen Mittel dagegen. Die NZZ meint, es werde sehr hektisch in Zürich die nächsten Tage. Man denke auch an die anderen Imagebaustellen der Euro 08.

Wir sagen mal folgenden Fortgang der Geschichte voraus:

Die Einsprachen des Stadtrats werden von allen Instanzen abgeschmettert.

Der Stadtrat cancelt die Fanzone Zürich und geht nach Leukerbad zur Kur.

Gut so.

Quelle > NZZ Online