Wie sehr die Eurowalze alles und jeden einlullt, sieht man u.a. daran, wie Städte mit ihrer Stadt umgehen. Ganze Innenstädte werden zu Fanzonen umfunktioniert, die Anwohner können selber schauen, wie sie damit umgehen. Erstaunlich auch, dass viele dieser Konzepte erst in den letzten Monaten, in der Provintz vielenorts auch erst in den letzten Wochen präsentiert wurden. So gilt man als Einsprecher natürlich gleich als Miesmacher.

Dem Zürcher Gewerbeverein Seefeld war das egal, er machte Einsprache gegen die Sperrung von Strassen für den privaten Verkehr – und bekam gestern Recht. Interessant die Begründung des Statthalters, NZZOnline zitiert ihn so:

Vielmehr scheine es, die Verantwortlichen wollten die Euro 08 dazu nutzen, ein riesiges Strassen- oder Volksfest zu veranstalten. Hiefür bestehe aber kein gewichtiges öffentliches Interesse, insbesondere, wenn dafür wichtige Verbindungsstrassen zwischen einzelnen Quartieren blockiert werden müssten. Das öffentliche Interesse daran, die Hauptverkehrsachsen ungehindert befahren zu können, überwiege klar.

Man spricht in Zürich von einem Scherbenhaufen. In der Tat: einen Monat vor der Party ist da guter Rat teuer. Die NZZ weiter:

Weniger als einen Monat vor dem ersten EM-Spiel ist eine Konzeptänderung für die Festivitäten kaum mehr möglich. Die Bewilligungen für die Marktstände und die Barbetriebe sind erteilt, die Grossleinwände für das Public Viewing auf dem Sechseläutenplatz und am Seebecken sind bestellt, Tickets sind verkauft und Verträge mit Sponsoren abgeschlossen.

Sehr erstaunlich befremdend unprofessionell ist der Umstand, dass der Zürcher Stadtrat dieses rigorose Verkehrskonzept (Sperrung der Utoquaibrücke und einen Teil des Utoquais an 20 Tagen von jeweils nachmittags bis am anderen Morgen) erst im Dezember 2007 präsentiert hatte. Er war sich seiner Sache so sicher, dass er nicht mal eine Alternative in der Hinterhand hat. Das war zu hoch gepokert und endete gestern vorläufig in einem Megafettnäpfchen. Jedes Pfadilager ist besser aufgestellt.

Der Zürcher Stadtrat ist ab diesem Entscheid völlig aus dem Häuschen. Er wirft nicht nur dem Statthalter Inkompetenz vor, er ergreift auch alle juristischen Kanonen Mittel dagegen. Die NZZ meint, es werde sehr hektisch in Zürich die nächsten Tage. Man denke auch an die anderen Imagebaustellen der Euro 08.

Wir sagen mal folgenden Fortgang der Geschichte voraus:

Die Einsprachen des Stadtrats werden von allen Instanzen abgeschmettert.

Der Stadtrat cancelt die Fanzone Zürich und geht nach Leukerbad zur Kur.

Gut so.

Quelle > NZZ Online

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