Alle machen Charity. Grauenhaft. Wie alles andere tut die Uefa auch auf diesem Gebiet das Äusserste: Sie zahlt keine Steuern – wegen Gemeinnützigkeit. Ein Witz.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen als würde man es das erste mal hören: Die zweitgrösste Sportveranstaltung der Welt zahlt quasi keine Steuern. TA Online bringt heute ein interessantes Update zur Steuersituation der Uefa. Offensichtlich hat man mit der milliardenschweren Sportmaschine ein Steuerabkommen geschlossen, wie man das sonst mit Superreichen wie z.B. Michael Schuhmacher tut.

Mit der immensen Zahl von über 2 Milliarden Umsatz will die Uefa mit dem Fussbaldings 08 1.1 Milliarden Gewinn machen. Ob Franken oder Euro sei hier mal grosszügig unter den Tisch gewedelt. Dem gegenüber steht die Abgabe von wenigen Millionen für dies und das (z.B. Stadionmiete oder ein Mehrwertsteuer-Discountsatz von 2.5%). Und das Argument, man sei ein gemeinnütziger Verein und sorge unter dem Motto „We care about Football“ z.B. dafür, dass auch auf den Bolzplätzen von Accra genügend Bälle vorhanden sind. Ein klassisches Charity Konzept.

Das Problem an Charity ist, dass man nie erfährt, wie viel Geld wohin fliesst. Ob Frau Streisand für ihre Stiftung dödelt, ob die Cervelatpromis an der Krebsgala rumlächeln oder ob Exbanker fette Ökostiftungen aufsetzen – es ist so lange Showbiz, wie die Zahlen nicht auf dem Tisch liegen. Showbiz wird überall hoch besteuert, nur in der Sportabteilung nicht.

Warum eigentlich? Der Besuch eines hochkarätigen Fussballmatchs ist genauso ein Stück Topentertainment wie der Besuch eines Topbrands aus der Musikbranche. Wo ist da der Unterschied? Ach ja, bei den gratis verteilten Bällen in Accra. Dort ist auch das Internationale Rote Kreuz tätig. Die zahlen zwar auch keine Steuern, aber die müssen dafür mitteilen, was sie mit dem Geld machen, wieviel davon für die Verwaltung draufgeht und wie viel in die Spitäler neben den Bolzplätzen kosten.

Wenn beispielsweise von den 1.1 Milliarden nur gerade ein Drittel bei der Jugend auf den Bolz- und Trainingsplätzen dieser Welt ankämen, dann würden wir das Label der Gemeinnützigkeit nicht unbedingt erteilen. Dann müsste man ja davon ausgehen, dass der Grossteil der Kohle mit Kongressen, Spitzensalären und Bestechungsgeldern Repräsentationsgeschenken draufgeht. Ganz verhindern kann man erfahrungsgemäss solche Unschönheiten nicht, aber man könnte an der Optimierung der Verhältnisse sicher noch schrauben.

Kurz und gut: Die charitybedingte Steuerbefreiung der Uefa (und aller ähnlichen Fälle) gehört sistiert, solange die Jungs nicht offenlegen, was mit dem vielen Geld wirklich passiert.

Quelle: Tages Anzeiger Online

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