In der ganzen Aufregung rund um hunderttausende Nachfrager für ein paar zehntausend Tickets ist die Frage nach den Eintrittspreisen völlig untergegangen. Sie sind gigantisch.

Den Rekord in Sachen Eintrittspreise hält hierzulande vermutlich die amerikanische Star-Diseuse Barbara Streisand mit ihrem Konzert im Juni 2007 im Hallenstadion Zürich. Die Tickets kosteten zwischen 500 und 1’500 Franken (300-900 Euro), VIP-Tickets gingen für über 2’000 (1’250) weg.

Ganz aufgegangen ist die Rechnung aber nicht. Das Stadion konnte zu diesen Preisen nicht gefüllt werden, kurz vor dem Gig wurden hunderte (tausende?) von Tickets zu Preisen um die 100 Franken verscherbelt.

Davor wird das grosse Fussballdings garantiert gefeit sein. Um die paar zehntausend Tickets rissen und reissen sich Millionen von Fans. Wenn nicht gerade die Masern voll durchbricht oder sonst ein Tsunami anrollt, werden die Stadien proppevoll sein. Voll mit cüplinippenden VIP-Gästen und gut verdienenden Fussballafficionados.

In der ganzen Aufregung um die Verlosung der Tickets, den gigantischen Run auf dieselbigen und das grosse Trara drumherum ging jedoch die Frage nach den Eintrittspreisen völlig unter. Sie sind – wie alles an der Euro 08 – happig. Wirklich?

Schauen wir uns die Preise genau an, in Euro:

Eröffnungsspiel: 250/170/70

Gruppenspiele: 110/80/45

Viertelfinals: 180/110/60

Halbfinale: 300/180/80

Finale: 550/335/160

Plus Verwaltungsgebühr pro Ticket: 10-40

Ist das viel? Wir finden schon. Immerhin wird der Sportsfreund im und vor dem Stadion mit Werbung ohne Ende zugekleistert. Der gemeine Fussballfan ist in der Regel kein Grossverdiener und der angefressene Fan möchte sich vielleicht mehr als nur ein Spiel angucken. Zu berücksichtigen sind auch die Reise- und Übernachtungskosten. Und die Verpflegungskosten mit Carlsberg-Zwang, die sicher nicht zu tief ausfallen werden.

Die Eintrittspreise passen auch hinten und vorne nicht zum latent scheinheiligen Geschwurbel rund um die Förderung der Jugend. Welcher Schüler kann sich das leisten? Eine vierköpfige Familie legt für den Viertelfinal auf den billigsten Plätzen 280 Euro (450 Franken) hin. Zu viel für den Volkssport Fussball.

Man darf gespannt sein, wie sie das an der WM 2010 in Südafrika machen. Dort sind 100 Euro für viele Menschen ein ganzer Monatslohn.

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