normalerweise dauert es jahre, bis ein städtisches quartier für die damen des horizontalen gewerbes freigegeben oder umgezont wird. die üblichen bedenken sind zu berücksichtigen: kinder, wohnlage, immobilienpreise, etcpp.

der eurospuk scheint aber die leute geradezu zu paralysieren. als die berner stadtbehörden vor ein paar wochen bekannt gaben, dass sie auf dem sog. känzli areal für drei wochen eine sexmeile hochziehen wollen, sagte erstmal gar niemand was. normalerweise kocht da die volksseele schon beim ersten pieps.

das känzli ist ein parkplatz mitten in der stadt. direkt an der lorrainebrücke zwischen aare und gewerbeschule, am tor zum schönen lorrainequrtier, in sichtnähe zum botanischen garten. hier sollen also einige dutzend damen in wohnmobilen vorfahren und ihre dienste anbieten. standplatzgebühr: 60 franken.

nicht, dass wir uns hier gegen das älteste gewerbe äussern möchten. und die behörden haben ja auch nicht so unrecht: sie kanalisieren und haben den überblick. es stellt sich bloss die frage, warum diese sexmeile nicht draussen beim stadion etabliert wird, wo sie eigentlich eh schon seit jahrzehnten zu hause ist. genau: man will sie wohl in der nähe der fanzone in der city haben. das känzli ist für erotisierte fans noch gerade knapp in spaziergangweite.

was die stadt bern vor wochen quasi als beschlossene sache verkündete, soll jetzt plötzlich noch gar nicht entschieden sein. grund für den halben rückzieher: das volk tobt, soweit das unter der betäubenden eurokäseglocke überhaupt noch möglich ist. der präsident des zuständigen quartier leists sagt:

«Unser Quartier hat es wieder einmal geschafft, von der Stadtregierung die rote Laterne zu fassen»

und der euro-delegierte in bern sagt, die aufregung sei völlig unnötig, man habe das känzli areal nur für den fall der fälle vorreserviert.

für welchen hat er nicht gesagt.

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